Die Geschichte des Nürburgrings Teil 3
Im Gedenken an den 2004 verstorbenen Nürburgring-Experten Luki Scheuer, der von 1999 an bis zu seinem Tod Pressesprecher der Langstreckenmeisterschaft war. Eine Retrospektive rund um den Nürburgring aus dem Jahr 1998.
1958 - 1967
Beim Großen Preis 1958 siegt der Engländer Tony Brooks auf Vanvall. Besonderheit des Wagens: Er hat Scheibenbremsen. Das Rennen wird überschattet vom tödlichen Unfall des Engländers Peter Collins, dessen Ferrari am "Pflanzgarten" von der Strecke abgekommt und sich überschlägt. Wolfgang Graf Berghe von Trips, Deutschlands neues Rennidol, wird auf Ferrari Vierter. 1958 findet zum erstenmal ein Sportfahrerlehrgang der Scuderia Hanseat statt. Er wird zum Vorbild aller Fahrerlehrgänge und wird noch heute zweimal jährlich durchgeführt. 1959 gibt es keinen Grand Prix in der Eifel. Dafür glänzt aber das 1000-Kilometer-Rennen mit gutem Besuch und ausgezeichnetem Motorsport. Es gewinnen Stirling Moss/Jack Fairman auf Aston Martin. 1960 feiert das ADAC 6-Stunden-Rennen, später "Großer Preis der Tourenwagen", Premiere. Wolfgang Graf Berghe von Trips ist der Magnet, der 1961 fast 100.000 Zuschauer zum Großen Preis von Deutschland zieht. Der Rheinländer löst einen für die damalige Zeit gewaltigen Medienrummel aus. Im Rennen wird er mit seinem Ferrari Zweiter hinter dem an diesem Tag unschlagbar scheinenden Stirling Moss auf Lotus-Climax. 1963 wird der Grand Prix zu einer Regenschlacht, die Graham Hill (England) auf BRM gewinnt. 1964 gewinnt John Surtees auf Ferrari den Formel 1 WM-Lauf in der Eifel. Das Rennen mit den meisten Zuschauern aber ist das 1000-Kilometer-Rennen für Sportwagen und Prototypen. Nur knapp 50.000 Zuschauer besuchen dagegen das Eifelrennen 1965, zugleich auch Lauf zur Motorrad-WM. Giacomo Agostini (Italien) gewinnt die 350-ccm-Klasse, Mike Hailwood (England) siegt in der Halbliterkategorie, beide fahren MV Agusta. Den Großen Preis der Formel 1 am 1. August gewinnt Jim Clark auf Lotus. 1966 heißt der GP-Sieger Jack Brabham (Australien) auf der Eigenkonstuktion Brabham-Repco. Zum erstenmal nach 1927 findet wieder eine Radweltmeisterschaft auf dem Nürburgring statt. Rudi Altig wird Weltmeister der Profirennfahrer. 1967, der Nürburgring feiert seinen 40. Geburtstag, ist ein gutes Jahr. Die wichtigen Rennen verzeichnen steigende Zuschauerzahlen. Beim ADAC 1000-Kilometer-Rennen gibt es den ersten Gesamtsieg für Porsche, die erfolgreichen Fahrer hießen Jeo Buzetta (USA) und Udo Schütz (Selters). Den Formel-1-GP 1967 gewinnt Dennis Hulme (Neuseeland) auf Brabham.
1968 - 1977
Heiss ist es beim Start in das fünfte Jahrzehnt der "schönsten und schwierigsten Rennstrecke der Welt", und das ADAC-Eifelrennen 1968 auf der Südschleife, Weltmeisterschaftslauf für Motorräder, erfährt ein Kuriosum: Der Lauf der Halbliterklasse muß in der 19. von 26 zu fahrenden Runden wegen eines Waldbrandes abgebrochen werden. Der zu diesem Zeitpunkt führende Giacomo Agostini wird zum Sieger erklärt. Ganz anders beim Formel-1-GP am 4. August desselben Jahres: Nebel und Regen machen das Rennen fast unmöglich. Der Schotte Jackie Stewart findet sich mit seinem Matra-Ford in der "Waschküche" am besten zurecht und gewinnt. 1969 ist fürwahr ein gutes Jahr. Massenbesuch bei allen Großveranstaltungen. Höhepunkt ist der Große Preis von Deutschland, den der Belgier Jacky Ickx auf Brabham vor 120.000 zahlenden Zuschauern für sich entscheidet. Noch ahnt niemand, daß die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke infrage gestellt werden könnte. Doch 1970 ist es soweit. Nach einer Serie schwerer Unfälle im GP-Sport erklären die Fahrer, ihr Sprecher ist der in Mainz geborene Österreicher Jochen Rindt, die Nordschleife für "zu gefährlich" und fordern umfangreiche Umbauten. Der Grand Prix wird in Hockenheim gefahren, am selben Tag findet auf dem Nürburgring ein Formel-2-Rennen statt, das der Schweizer Xavier Perrot vor der Hermülheimerin Hannelore Werner gewinnt. Der "Ring" wird umgebaut, erhält Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken, wird damit sicherer aber auch schneller. 17 Millionen Mark kosten die Maßnahmen, weitere Millionen kommen in den folgenden drei Jahren dazu. 1971: wieder Grand Prix, 130.000 Zuschauer, Sieger Jackie Stewart (Tyrrell-Ford). Alles scheint wieder in bester Ordnung. Doch schon 1974 kommt ein erneuter Schock. Jetzt boykottieren die Motorrad-Spitzenfahrer beim WM-Lauf Ende April die Nordschleife. Wenig später kommen auch neue, gigantische Umbauforderungen der Formel-1-Piloten auf den Tisch. Der Nürburgring-Fan Clay Regazzoni (Schweiz) gewinnt auf Ferrari den 1974er Grand Prix und fährt ein Jahr später mit 7:06,4 Minuten (192,8 km/h) neuen Rundenrekord. Dieser Rekord wird ein "ewiger" sein. Das Ende der Nordschleife als GP-Strecke ist am 1. August 1976 gekommen. Niki Lauda verunglückt schwer. Der Nürburgring erhält 1977 keine Formel-1-Zulassung mehr. Der letzte Grand Prix-Sieger in der „Grünen Hölle" heißt James Hunt (England) auf McLaren-Ford. Am 3. Oktober 1977 faßt der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH den Beschluß zum Bau einer neuen, kürzeren Rennstrecke und bittet die Gesellschafter, Bundesrepublik Deutschland, Land Rheinland-Pfalz und Kreis Ahrweiler, um die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel.






