23.09.2000

Dritter Sieg für Reh/Rittmeier - Kampf um den Titel im Veedol Langstreckenpokal wird immer spannender

NÜRBURGRING. Carl Reh (Trier) und Meinhard Rittmeier (Wermelskirchen) gewannen auf dem Nürburgring mit einer 8-Liter-Chrysler-Viper GTS-R von Zakspeed Motorsport (Niederzissen) das DMV-250-Meilen-Rennen des AC Monheim, den achten von insgesamt zehn Läufen zum Deutschen Veedol Langstreckenpokal. Sie beendeten das auf 3,5 Stunden angesetzte Rennen nach 3:33:10.930 Stunden und 24 gefahrenen Runden. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 171,30 km / h. Für Reh / Rittmeier war es der zweite Gesamtsieg in Folge und der dritte in dieser Saison. Den zweiten Platz belegten Wolfgang Destree (Zornheim) und Gerd Winter (Wilnsdorf) auf Porsche 911 RSR. Mit Klaus-Peter Hesse / Thomas Wiedemeier / Harald Grohs (Menden / Möhnesee / Essen) belegte ein weiteres Porsche-Team den dritten Platz vor dem am besten platzierten BMW, der von Johannes Scheid (Kottenborn) und Mario Merten (Nürburg) gefahren wurde. Von 131 gestarteten Fahrzeugen kamen 91 ins Ziel.

Reh / Rittmeier gingen von der Pole Position ins Rennen und setzten sich beim fliegenden Indianapolis-Start sofort an die Spitze. Die Porsche von Edgar Dören / Karl-Christian Lück (Wuppertal / Wiehl) und von Ulrich Galladé / Uli Richter (Dortmund / Essen) sowie der Scheid-BMW GTRS lagen in Lauerstellung. Schließlich ist der Konkurrenz bekannt, dass die großvolumige Viper starken „Durst“ entwickelt. So ging dann auch ein glänzend aufgelegter Mario Merten während eines Boxenstopps der Viper kurzzeitig in Führung, die allerdings beim eigenen Boxenstopp und dem Fahrerwechsel mit Johannes Scheid wieder verlorenging. Stark dezimiert wurde die Porsche-Verfolgungsgruppe: Ulrich Galladé wurde eine Ölspur zum Verhängnis, Karl-Christian Lück schied durch einen Unfall aus, dem ein technischer Defekt an seinem Wagen vorausgegangen war.

Opfer eines Unfalls wurde auch Dietmar Capelle, bis zum achten VLN-Lauf einer der aussichtsreichsten Anwärter für den Gesamtsieg in der VLN-Serie 2000. In der 12. Runde kollidierte im Streckenabschnitt Antoniusbuche ein BMW 325i mit dem BMW M3 des Holzkircheners. Die Fahrzeuge sind an dieser Stelle über 200 km / h schnell. Capelles Wagen flog über die Leitplanken, landete zwischen Planke und Fangzaun und fing Feuer. Mit Hilfe der sofort eingreifenden Sportwarte konnte sich Capelle aus dem Fahrzeug befreien. Laut Auskunft des leitenden Rennarztes Dr. Helmut Hermann erlitt Capelle Vebrennungen im Gesicht und einen Bruch des linken Arms. Er wurde in das Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz geflogen. Dr. Hermann: „Der Verletzte war ansprechbar und bei vollem Bewusstsein. Es bestand keine Lebensgefahr.“

Durch den Ausfall von Capelle und seinem zwangsläufig mitbetroffenem Partner Peter Schöller (München) spitzt sich der Kampf um den VLN-Titel 2000 zu. In Führung sind auch nach dem achten Lauf Jens Lührsen (Wildeshausen) und Uwe Unteroberdörster (Lohmar). Nach ihrem zweiten Platz im siebten Lauf waren sie mit dem Suzuki Swift GTI beim achten Lauf wieder Klassensieger. Es war ihr sechster Klassensieg. Da der abgebrochene sechste VLN-Lauf, das ADAC-Ruhr-Pokal-Rennen nicht gewertet wird, sind die besten sieben Ergebnisse in der jeweiligen Klasse entscheidend. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Teilnehmerzahl in der Klasse. Für Lührsen / Unteroberdörster heißt das, dass sie von den noch ausstehenden zwei Rennen mindestens noch eines als Klassenbeste beenden müssen. Beim DMV-250-Meilen-Rennen profitierten die Tabellenführer vom Ausfall des VW Polo von Henning Pape / Josef Ismar (Peine / Euskirchen). Pape / Ismar hatten beim siebten VLN-Lauf in der Klasse SP1 Lührsen / Unteroberdörster um weniger als fünf Sekunden geschlagen. Jetzt schied der Polo nach sieben Runden mit Getriebeschaden aus.

Eine blitzsaubere Weste hat mit sieben Klassensiegen Harald Thönnes (Mülheim-Kärlich). Er hofft bei den kommenden Rennen auf weitere Siege, und auf zahlenmäßig starke Konkurrenz. Thönnes: „Dann kann ich vielleicht zwei Ergebnisse aus Rennen streichen, in denen meine Klasse nicht so stark besetzt war.“

Titelambitionen und -chancen hat nach seinem sechsten Klassensieg der Bochumer Dino Drössiger auf Honda Civic. Für ihn und seinen Partner Andreas Mäder (Großkugel) gilt, was auch für die anderen Favoriten gilt: In den beiden letzten Läufen die Klasse gegen möglichst starke Konkurrenz gewinnen.


Die kleine VLN-Story: Klassensieg für einen Weltrekordler

Einer der glücklichsten Fahrer war nach dem DMV-250-Meilen-Rennen der Finne Jaakko Rytsölä. Zusammen mit seinem Landsmann Alec Arho wurde er auf BMW M3 Sieger der Klasse N6. Es war Rytsöläs erstes Rennen auf dem Nürburgring. „Ich bin mit einem Leihwagen vorher 20 Runden auf der Nordschleife gefahren“, sagte er. Er dürfte im übrigen einen Weltrekord aufgestellt haben. Im Motorsport (noch) nicht. Aber im Straßenverkehr. Denn ein dickeres „Knöllchen“, als der Finne kürzlich in Helsinki erhielt, ist in der Verkehrsgeschichte nicht bekannt. 300.000 Finnmark, umgerechnet rund 100.000 DM, musste er löhnen. Dabei war mit seinem Lamborghini Diablo nicht mit 250 Sachen durch Helsinki gefahren. Er hatte sich sogar an die vorgeschriebenen 40 km / h gehalten. Lediglich die Spur hatte er zu oft gewechselt. Deshalb, und nur deshalb die „Riesenknolle“. Die Erklärung: In Finnland wird die Buße bei Übertretungen von Verkehrsregeln am Einkommen des „Sünders“ gemessen. Jaakko Rytsölä ist einer der jungen Internet-Millionäre, deren Konten schneller wachsen als die Benzinpreise in Deutschland. Dennoch: „Ich werde öfter beim Veedol Langstreckenpokal fahren. Da kann ich die Spur wechseln ohne dafür 300.000 Finnmark bezahlen zu müssen“, sagte der Finne und nahm einen langen Schluck aus der Siegerehrungs-Sektpulle.

Rennergebnis DMV.250-Meilen-Rennen (Plätze 1 bis 10):
1. Carl Reh / Meinhard Rittmeier (Trier / Wermelskirchen), Chrysler Viper GTS-R, 3:33:10.930 h (171,295 km / h); 2. Wolfgang Destree / Gerd Winter (Zornheim / Wilnsdorf), Porsche 911 RSR, 4:55.320 min Rückstand; 3. Klaus-Peter Hesse / Thomas Wiedemeier / Harald Grohs (Menden / Möhnesee / Essen), Porsche 993 RSR, 5:25.860 min; 4. Johannes Scheid / Mario Merten (Kottenborn / Nürburg), BMW M3 GTRS, 6:36.060 min; 5. Michael Bäder / Tobias Hagenmeyer (Ofterdingen / Schwiebendingen), BMW M3, 6:53.030 min; 6. Andreas Eberhardt / Michael Schaal (Stuttgart), Porsche 993 RSR, 1 Runde zurück; 7. Artur Deutgen (Duisburg), BMW M3, 1 R.; 8. Wilhelm Kern / Martin Wurst (Kleinaspach / Oppenweiler), Porsche 996 Cup, 1R.; 9.Felix Findeisen / Dr. Ernst Wawer (Grevenbroich / Marmagen), Porsche 911 Cup, 1 R.; 10. Michael Eschmann / Paul Hulverscheid / Patrick Spadacini (Gummersbach / Wipperfürth / Bonn) Porsche 993, 1 R.