11.09.2004

Die „Katze“ zeigte wieder Krallen - V8STAR Jaguar gewinnt 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

NÜRBURGRING. Hermann Tilke/Ullrich Galladé/ Dirk Adorf (Aachen/Wetter/Altenkirchen) heißen die Sieger des 6-Stunden-ADAC-Ruhr-Pokal-Rennens auf dem Nürburgring. Auf ihrem V8STAR Jaguar wurden sie nach 6:01:35.771 Stunden und 39 absolvierten Rennrunden auf der 24,358 Kilometer langen Kombination aus verkürzter Grand-Prix-Strecke und Nürburgring-Nordschleife als Erste abgewunken. Ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierten des siebten von zehn Wertungsläufen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 2004, Michael Bäder/Tobias Hagenmeyer (Ofterdingen/Köln) im BMW M3, betrug über zwei Minuten. Auf Gesamtrang drei kam das Vater-Sohn-Gespann Andreas und Ralf Schall (Dornstadt) auf Opel Astra V8 Coupé.

Das vom MSC Ruhrblitz Bochum veranstaltete Rennen ist nicht nur der längste Lauf im Langstreckenkalender, es war in jeder Hinsicht ein Höhepunkt der bisherigen Saison. Die Rekordkulisse von rund 27.000 Zuschauern an der Strecke brachte die Fahrer ins Schwärmen: „Ein Gefühl wie beim 24-Stunden-Rennen.“ 182 Fahrzeuge – auch das ein Saison-Rekord – waren nach dem Training an den Start gegangen. Häufige Positionswechsel in der Spitzengruppe und harte Kämpfe in den einzelnen Klassen sorgten für Spannung bei den Fans.

Dirk Adorf hatte den V8STAR Jaguar mit einer Trainingsbestzeit von 8:32.82 Minuten auf die Pole Position gestellt. Startplatz zwei ging an Volker Strycek/Marcel Tiemann/Marcel Fässler (Dehrn/Monaco/Schweiz) auf Opel Astra V8 Coupé, dahinter der BMW M3 GTRS von Johannes Scheid/Mario Merten/Oliver Kainz (Kottenborn/Nürburg/Kottenheim) und die Viper GTS-R von Dr. Hans-Peter Huppert-Nieder/Werner Mohr/Markus Großmann/Andreas Gülden (Blieskastel/St. Ingbert/Adenau/Königsfeld). Bereits nach der ersten Runde bot sich ein anderes Bild. Marcel Fässler hatte den Ex-DTM-Astra mit knappem Vorsprung auf Adorf in Führung gebracht. Dahinter lag bereits der von Platz sechs gestartete Porsche 996 GT2 von Jürgen Alzen/Michael Bartels/Uwe Alzen (Betzdorf/Monaco/Betzdorf). Nach der zweiten Runde musste Mario Merten im „Eifelblitz“ an vierter Stelle liegend wegen Getriebeproblemen die Box ansteuern. Ein Reifenschaden zwang den führenden Opel zwei Runden später ebenfalls zu einem außerplanmäßigen Stopp. Danach führte lange der aus der fünften Position gestartete Porsche GT3 vom Team Manthey Racing mit Timo Bernhard/Bert Lambrecht/Lucas Luhr (Miesau/Belgien/Monaco). Dahinter kämpften der Alzen-Porsche, der V8STAR Jaguar und die Viper mit dem ebenfalls aus der DTM stammenden Opel von Andreas und Ralf Schall und den Porsche von Marc Basseng/Patrick Simon/Frank Stippler (Köln/Wiesbaden/Bad Münstereifel) und Marc Gindorf/Dennis Rosteck/Arno Klasen (Schweiz/Porta Westfalica/Karlshausen) um die Plätze.

Nach gut zwei Stunden und 15 gefahrenen Runden begann dann das „Favoriten-Sterben“. Zunächst entschied Opel-Sportchef Volker Strycek, den Astra V8 Coupé, den Marcel Tiemann mittlerweile wieder auf Rang vier nach vorne gebracht hatte, aus dem Rennen zu nehmen. „Wir ziehen uns aus Sicherheitsgründen zurück“, erklärte Strycek. „Wir hatten zwei Reifenschäden hinten rechts, deren Ursache wir hier nicht ermitteln können. Wenn so etwas bei Tempo 290 in der Fuchsröhre passiert, ist das ein lebensgefährliches Risiko für unsere Fahrer und die anderen Teilnehmer.“ In Runde 20 erwischte es den Manthey-Porsche von Gindorf/Rosteck/Klasen. Für das unweit des Nürburgrings in Meuspath ansässige Team war es bereits der zweite Ausfall des Tages. Der Porsche GT3 Cup von Michael Jacobs/Dieter Schornstein/Paul Hulverscheid (Stolberg/Aachen/Wipperfürth) hatte bei einer „Feindberührung“ einen Felgenschaden davongetragen und konnte das Rennen nicht fortsetzen. Nach 22 Runden stellte dann der Führende Timo Bernhard nach drastischem Leistungsverlust seinen Renner in der Manthey-Box ab. Team-Chef Olaf Manthey nahm es gelassen: „Bei den 6 Stunden haben wir eigentlich immer Pech. Immerhin haben wir noch zwei Fahrzeuge im Rennen, da kann man sagen, es läuft noch gut für uns.“ Am Ende konnte man sich bei Manthey Racing über zwei Top-Ten-Platzierungen freuen. Daniel Cooke/Bert Lambrecht/Schornstein und Jonathan Baker/Dirk Schoysman auf Porsche 911 GT3 Cup wurden als Achte und Zehnte abgewunken.

In Runde 26 kam das Aus für den hinter Basseng/Simon/Stippler an zweiter Stelle liegenden Alzen-Porsche. Ursache war ein defekter Radträger. Nur wenige Runden später musste auch Frank Stippler wegen eines technischen Defektes sein Fahrzeug abstellen. Damit war der Weg frei für den zweiten Saisonsieg des vom Team Recaro-Raeder-Motorsport betreuten V8STAR-Boliden. Ein weiterer Grund zum Jubeln für Team-Chef Niki Raeder war der neunte Gesamtrang und Sieg in der Klasse SP7 (VLN-Specials über 4000 ccm Hubraum) von Elmar Deegener/Jonathan Price (Stelzenberg/Darmstadt).

Auch der Kampf um die Meisterschaft bleibt weiter spannend. Jörg Viebahn, der in den ersten fünf Rennen fünf Klassensiege einfuhr und als heißer Titel-Kandidat galt, musste beim sechsten Lauf nach einem Ausfall seinen ersten „Nuller“ hinnehmen. Das 6-Stunden-Ruhr-Pokal-Rennen bedeutete für den Engelskirchener eine weitere Nullrunde. Nach einem Aufhängungsschaden war Viebahns Honda Civic Type-R im Bereich Galgenkopf in die Leitplanke eingeschlagen. Da das Reglement jedem Fahrer nur zwei Streichresultate zubilligt, darf er sich in den ausstehenden drei Läufen keinen Patzer mehr erlauben, wenn er zu Saisonende in der Tabelle ganz oben stehen will. Die wird angeführt von Arnd Meier/René Wolff (Hannover/Köln). Die BMW-Piloten belegten mit ihrem Fahrerkollegen Niclas Königsbauer (Schwarmstädt) beim 6-Stunden-Rennen zwar nur den dritten Rang in der Klasse V2 (VLN-Serienwagen bis 1850 ccm). Da diese Klasse aber mit 19 Fahrzeugen sehr stark besetzt war, bringt der dritte Platz Meier und Wolff noch 8,68 Punkte ein. Hinter Meier/Wolff auf Rang drei der Tabelle liegt Ullrich Andrée. Nach dem sechsten Klassensieg und einem zweiten Platz könnte der bisher als Außenseiter gehandelte Kölner doch noch ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden. Voraussetzung ist, dass er bei den verbleibenden drei Rennen mit seinem vom Team Mühlner Motorsport eingesetzten Volvo S60 auch weiterhin eine makellose Vorstellung gibt. Noch kann man keine Prognose über den Ausgang der Meisterschaft wagen, aber sicher vorhersagen, dass es noch einmal ganz spannend wird in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft.

Der nächste Meisterschaftslauf, der 36. ADAC-Barbarossapreis des MSC Sinzig, wird am Samstag, 25. September, gefahren.