24.07.2004

Mit „Manthey-Festspielen“in die zweite Hälfte gestartet - Spannender sechster Lauf zur Langstreckenmeisterschaft

NÜRBURGRING. Die zweite Hälfte der insgesamt zehn Rennen umfassenden BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring begann mit einem Rennen voller Spannung und Dramatik. Den Tagesgesamtsieg beim sechsten Lauf, dem DMV-Grenzlandrennen des Rheydter Club für Motorsport, sicherten sich Olaf Manthey/Bert Lam¬brecht/Arno Klasen (Meuspath/Belgien/Karlshausen) auf einem Porsche GT3-MR vor dem Opel Astra V8 Coupé von Andreas und Ralf Schall aus Dornstadt. Die Sieger wurden nach 3:16,49 Stunden und 22 gefahrenen Runden auf dem 24,358 Kilometer langen Kurs abgewinkt. Angesetzt war das Rennen auf vier Stunden. Wegen einer Unterbrechung nach einem Unfall genau zur Hälfte und der damit verbundenen Sicherheitsreparaturen an der Strecke konnte nach einem Neustart die volle Distanz nicht mehr erreicht werden. Die Wertung erfolgte ohne Punktabzug.

Nach dem sechsten Lauf hat die Meisterschaft neue Spitzenreiter. Der bisher souverän führende Jörg Viebahn (Engelskirchen) fiel in der letzten Runde mit Aufhängungsschaden an seinem Honda Civic Type-R aus. An der Spitze der Tabelle sind jetzt Arnd Meier (Hannover) und René Wolff (Köln), die beim Grenzlandrennen in der mit 15 Autos besetzten Klasse der VLN-Serienwagen bis 1850 ccm ihren BMW 318is auf den zweiten Platz fuhren. Zu ihrem ersten Saisonsieg kamen in dieser Klasse Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche aus Hückeswagen auf Opel Corsa Sport. Die Zwillingsbrüder aus dem Bergischen Land haben jedoch keine Chance mehr, ihren im vergangenen Jahr gewonnen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Trotz des nur einwöchigen Abstands zum fünften Meisterschaftslauf war das DMV-Grenzlandrennen mit 152 gestarteten Fahrzeugen hervorragend besetzt und von 24.000 Zuschauern besucht.

Genau die Hälfte der vorgesehenen Vier-Stunden-Distanz war gefahren, als rote Flaggen die Fahrer stoppten. In der Senke vor der „Quiddelbacher Höhe“ waren ein Porsche und ein Alfa 156 kollidiert. Folge: ein Überschlag, zwei aufgelöste Karossen und viele Meter dem Erdboden gleich gemachte Leitplanken, beide Fahrer aber unverletzt. Sportwarte, DMSB-Staffel und zwei E-Unit-Spezialfahrzeuge waren ebenso am Einsatzort wie der VLN-Vertragsabschleppdienst Bongard. Vor Ort auch Peter Bröcher, Leiter der Streckensicherung, und VLN-Promotor Karl-Heinz Gürthler. Der sagte am Abend bei der Siegerehrung: „Es wurde von allen Beteiligten perfekte Arbeit geleistet.“ Nur nicht von allen Fahrern. Die Piloten, die sich im Bereich der Unfallstelle nicht der gefährlichen Situation entsprechend verhielten, wurden mit einer Strafminute belegt. Nach rund einer und einer halben Stunde war die Strecke aufgeräumt und mit Reifenpaketen abgesichert. Das Rennen wurde neu gestartet, im Unfallabschnitt forderten gelbe Flaggen zu umsichtiger Fahrweise auf. Der zweite Teil des Rennens war praktisch ein Sprint, bei dem mancher Wagen am Schluss noch wegen Benzinmangels um Klassensieg bzw. eine gute Platzierung kam.

„Manthey-Festspiele“ darf der sechste Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft beschrieben werden. Olaf Manthey, der Porsche-PS-Zauberer vom Nürburgring, der selbst immer mal wieder ins Lenkrad greift, fuhr mit dem GT3-MR Trainingsbestzeit. Im Rennen fuhr er den letzten Turn, nachdem Lambrecht und Klasen den Wagen immer auf Platz eins gehalten hatten. Den Start fuhr Manthey auf dem Porsche GT3 RSR von PHC Sports, auf dem er zusammen mit Marc Gindorf (Schweiz) und Dennis Rosteck (Porta Westfalica) genannt war. Am Ende war dieses Team Dritter, vor einem weiteren Manthey-Porsche GT3 mit Wilhelm Dieter Kern (Kleinaspach) und Reinhold Renger (Rothenburg). Auf dem achten Gesamtrang und damit Sieger der Wertungsgruppe und der stark besetzten Cup-4-Klasse der nächste Porsche des Teams aus Meuspath mit Paul Hulverscheid/Michael Jacobs/Dieter Schornstein (Wipperführt/Stolberg/Aachen). Auch der zweite und der dritte Platz bei den Cup-4-Fahrzeugen ging an Manthey-Racing. John Paul Baker (England) und Dirk Schoysman (Barweiler) fuhren auf Klassenrang zwei, Daniel Cooke/David Croft (Wuppertal/Dortmund) auf drei. Sechs Manthey-Autos unter den ersten Zwölf – das wird dem Team um den sympathischen Mann mit dem gezwirbelten Schnurrbart so schnell niemand nachmachen.

Eine starke Leistung, die mit dem fünften Gesamtrang belohnt wurde, boten Dr. Hans-Peter Huppert-Nieder/Werner Mohr/Markus Großmann (Blieskastel/St. Ingbert/Adenau) auf der Viper GTS-R von Zakspeed Racing (Niederzissen). Großmann, Schnellster im Fahrertrio, freute sich vor allem über seine beiden Partner: „Die werden von Rennen zu Rennen schneller, ohne dass sie das Risiko erhöhen. Sie arbeiten intensiv an sich und analysieren jedes Rennen sehr genau.“

Eine beeindruckende Vorstellung gab bei ihrem ersten von insgesamt zwei Auftritten im Rahmen eines Laufs zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft die Seat Leon Supercopa. „Das sind richtige Rennwagen“, stellte VLN-Chef Gürthler anerkennend fest. Nicht nur die Autos können sich sehen lassen, sondern auch ihre Fahrerinnen und Fahrer. Da sind viele Namen zu lesen, die aus anderen Renn- und Rallye-Serien bekannt sind. Da es bei den VLN-Rennen doppelte Punkte gibt, war der Einsatz entsprechend. Ralf Martin (Mindelheim) und Fredy Barth (Schweiz) waren als Sieger die glücklichen 40-Punkte-Gewinner.

Der Ausfall von Jörg Viebahn ist sein erstes von zwei Streichresultaten und lässt den En¬gelskirchener gleich vom ersten auf den elften Platz der Tabelle zurückfallen. Arnd Meier und René Wolff führen mit je 56,25 Punkten. Dahinter auf Platz drei der Kölner Ullrich Andrée auf Volvo S60. Der Mann aus der Volvo-Presseabteilung fuhr den Mühlner-Volvo im sechsten Lauf zum fünften Klassensieg und hat jetzt 54,19 Punkte. Mit jeweils 52,24 Punkten sind Reik Kleinherbes (Mülheim) und Christian Behling (Glauburg), beim Grenzlandrennen auf BMW M3 erneut Wertungsgruppen- und Klassensieger, jetzt Tabellenvierte.

Die neue Situation verspricht für die noch ausstehenden vier Rennen jede Menge Spannung. Deshalb wird den Fans lange Zeit bis zum siebten Lauf lang werden. Den gibt es erst am 7. September. Es ist dann aber zugleich auch der Saisonhöhepunkt der Serie, das 6 Stunden ADAC Ruhr-Pokal-Rennen.