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27.01.2017

Interview Karl Mauer – Teil 1: „Wir müssen die Sicherheit an den Boxen erhöhen“

Die Saison 2015 war von kontroversen Diskussionen, hitzigen Debatten und verhärteten Fronten um das Thema Sicherheit auf der Nordschleife geprägt. Wie haben Sie die Stimmung in der VLN 2016 wahrgenommen?
Im Vergleich zu 2015 war in der abgelaufenen Saison eine wesentliche Verbesserung festzustellen. Die Permit für die Nordschleife ist akzeptiert, ihre grundlegenden Prinzipien sind verinnerlicht. Die meisten Fahrer haben eine. Und die, die noch keine haben, wissen, dass sie eine bekommen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Wir sind weg von den Slow Zones, mit denen ja niemand zufrieden war. Und wir haben eine funktionierende Flaggenregelung in kritischen Unfallsituationen. Insofern haben sich die Diskussionen, die wir 2015 hatten, erledigt. Man muss allerdings jetzt aufpassen, dass man nicht selbstgefällig und bräsig wird. Es gibt noch viel, viel, viel zu tun. Die Dinge, die uns im letzten Jahr beschäftigt haben, kann man abhaken und sich auf andere Themen konzentrieren, die bisher nicht im Fokus waren.

Welche Themen sind das?
Was wir 2017 viel stärker beachten müssen, ist die Situation an den Boxen. Dass die Boxen und, zeitweise, die Boxengasse für Besucher zugänglich sind, wird von allen, insbesondere auch von den Teams, die Gäste an der Strecke haben, sehr geschätzt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der VLN, um das uns manch anderer Veranstalter beneidet. Aber es ist auch eine sehr große Herausforderung, die bestmögliche Sicherheit sowohl für die Teilnehmer als auch für die Besucher herzustellen.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Sicherheit an den Boxen nachhaltig erhöhen?
Wir haben noch nicht das fertige Gesamtkonzept, aber ein paar Einzelmaßnahmen im Blick. Wir überlegen, Mindeststandzeiten bei den Boxenstopps, die ja bereits für verschiedene Fahrzeugklassen gelten, auch auf andere Klassen anzuwenden. Mit einer Mindeststandzeit könnte man den Ablauf der Arbeiten an den Boxen entspannter und ruhiger gestalten. Wir könnten so ein wenig Druck vom Kessel nehmen.

Soll es noch andere Maßnahmen geben?
Wir überlegen auch, das Betanken mittels Tankkannen nicht mehr zuzulassen. Dazu hat die ILN einen guten Vorschlag gemacht. Es gibt mittlerweile schon bei Serienfahrzeugen ein Verschlusssystem, das ohne Tankdeckel auskommt. Dabei überwindet man mit der Zapfpistole zwei federbelastete Klappen im Tankstutzen, die automatisch wieder zuschnappen, wenn die Pistole abgezogen wird. Außerdem ist die Tankkanne inzwischen auch überflüssig; sie wurde ja früher dazu genutzt, um unterschiedliche Benzinmengen durch eine Kalibrierung in der Tankkanne zu egalisieren. Das ist heute nicht mehr notwendig, weil für alle Autos, die mittels Tankkanne betankt werden, eine Mindeststandzeit vorgeschrieben ist. Wir setzen uns mit Macht dafür ein, die Tankkannen zu verbieten. Die VLN befindet sich mit der ILN und den betroffenen Teams bei diesem Thema in guter Gesellschaft.

Mit diesen Maßnahmen verbessern Sie die Sicherheit für die Besucher eher marginal.
Wir werden uns auch mit den Marshalls in der Boxengasse intensiv beschäftigen müssen. Gerade dort brauchen wir die Besten der Besten. Das müssen Menschen sein, die kompetent und geschult sind, die das Geschehen an den Boxen antizipieren und die mit den Besuchern interagieren. Wir werden auch strikt darauf achten müssen, dass die Besucher eine bestimmte Frontlinie – die rote Linie in der Box – nicht mehr überschreiten. Dabei brauchen die Marshalls Fingerspitzengefühl und kommunikative Kompetenz in der Ansprache der Leute, die bisweilen überhaupt keine Ahnung zu haben scheinen, in welche Gefahren sie sich begeben, wenn sie mit dem Rücken zu einem herannahenden Rennauto da stehen und mit ihren Handys Fotos oder Videos machen.


Das komplette Interview lesen Sie in „Grüne Hölle 2016“.
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