15.04.2000

Die Sieger machten "alles richtig" - Scheid/Thiim gewinnen zweiten Lauf zum Veedol Langstreckenpokal

NÜRBURGRING. Johannes Scheid (Kottenborn) und Kurt Thiim (Luxemburg) heißen die Gesamtsieger des zweiten Laufes zum Deutschen Veedol Langstreckenpokal auf dem Nürburgring. Sie gewannen auf BMW M3 GTRS das DMV-4-Stunden Rennen der Renngemeinschaft Düren. Ihre Gesamtfahrzeit für 26 Runden betrug 4:00.19.960 Stunden. Mit knapp anderthalb Minuten Abstand kamen Wolfgang Destree/Peter Schmidt (Zornheim/Eltville) auf Porsche RSR als Zweite und Gewinner der Klasse H3 ins Ziel, gut eine Minute vor Johannes Paczynski/Dr. Edgar Althoff (Mönchengladbach/Viersen) auf Porsche 935 RSR . Der vierte Platz ging an Frank Klaas/Michael Irmgartz (Frankfurt/Neuwied)auf Porsche 993 Cup, die damit auch die Klasse SP9 gewannen. Für den Rundfunk- und Fernsehjournalisten Klaas war es ein hervorragender Einstand auf Porsche. Zehn Jahre fuhr der Frankfurter im Veedol Langstreckenpokal fast ausschließlich auf den Opel-Modellen Kadett und Astra.

Wie bereits im ersten VLN-Lauf vor zwei Wochen wurde die reine Nordschleife (20,83 Kilometer) gefahren, da die in der Bau-Endphase befindliche neue Boxenanlage des Grand-Prix-Kurses noch nicht einsatzbereit war. 120 Fahrzeuge starteten zum Rennen, 84 beendeten es in der Wertung.

Zum ersten Mal nach 11 VLN-Rennen war die Farbe des Sieger-Autos nicht gelb, sondern blau. Die Oreca Chrysler Viper, mit der Hans-Jürgen Tiemann (Soltau) und Peter Zakowski (Niederzissen) 1999 alle zehn VLN-Läufe dominiert und auch den Auftakt 2000 gewonnen hatten, war nicht am Start. Nach dem elften Sieg in Folge hatte der VLN-Technik-Ausschuss für die Viper (zehn Zylinder, acht Liter Hubraum, Leistung 500 PS) eine Gewichtserhöhung von 1200 auf 1300 Kilo sowie eine Verkleinerung des Airrestriktors (Lufteinlassbegrenzer) angeordnet. Im VLN-Vorstand herrschte Einigkeit darüber, dass nur so eine Angleichung des "Über-Autos" Viper an die Konkurrenz und damit mehr Chancengleichheit zu erreichen sei. Zakspeed Racing zog daraufhin die Nennung für das DMV-4-Stunden-Rennen zurück. In einer Pressemitteilung von Zakspeed hieß es unter anderem: "Die geforderte Verringerung des Airrestriktors von 30,8 auf 29,3 Millimeter ist in der von den Organisatoren vorgegebenen Zeit nicht zu realisieren."

"Wir haben alles richtig gemacht", stellte ein überglücklicher Johannes Scheid nach dem Rennen fest. Das Richtige begann mit der zweitbesten Trainingszeit hinter dem Porsche von Ulrich Galladé/Olaf Manthey (Dortmund/Rheinbreitbach), setzte sich mit der richtigen Reifenwahl fort und wurde mit einer taktisch klugen Einteilung des Rennens abgeschlossen. Insgesamt 18 Runden blieb Thiim am Steuer, dann brachte Scheid den blauen BMW sicher über die nächsten acht Runden.

Während die meisten Konkurrenten angesichts einer noch feuchten Strecke und in Erwartung weiterer Schauer auf Regenreifen starteten, ging Kurt Thiim auf profillosen Slicks ins Rennen. Aus der ersten Runde kam er als Spitzenreiter zurück. Wer auf Regenreifen gesetzt hatte, kam bei schnell abtrocknender Strecke früh zum Reifenwechsel in die Boxengasse. Auch der mitfavorisierte Porsche von Galladé/Manthey, der später mit einem Motorschaden ausschied. Olaf Manthey durfte mit 7:21.645 Minuten (169,8 km/h) die schnellste Runde des Rennens für sich verbuchen. Wohl ein eher schwacher Trost.

Die Augen der VLN-Kenner richteten sich besonders scharf sich auf die Klasse VLN Specials bis 2 Liter Hubraum. Bei 23 gestarteten Fahrzeugen versprach ein Sieg oder eine gute Platzierung hier reichlich Punkte. Die holte sich mit einer beeinruckenden Leistung in Alleinfahrt Stefan Kissling (Schuld) auf einem im eigenen Tuning-Betrieb vorbereiteten Opel Astra. Nicht nur der Klassensieg, sondern besonders der neunte Platz in der Gesamtreihenfolge ist bemerkenswert. Einen Ausfall musste in dieser Klasse Jürgen Gerspacher (Froehnd) auf VW Golf GTI verbuchen, der das Auftaktrennen zwei Wochen zuvor gewonnen hatte. Nicht nach Plan lief das Rennen auch für die Vizemeister des vergangenen Jahres, Klaus-Peter Thaler/Heinz Remmen (Gevelsberg/Finnentrop). Sie lagen mit ihrem Kissling-Astra nach drei Runden an zweiter Stelle hinter dem führenden Stefan Kissling, mussten aber nach dem vierten Umlauf bereits den ersten von insgesamt vier Boxenstopps einlegen, weil die Lichtmaschine streikte. Erst beim letzten Halt wurde der Fehler - ein Kabelbruch - gefunden und behoben. Eine Aufholjagd brachte zwar noch den neunten Klassen-Rang. Zu wenig aber für ein Team, das den Titelgewinn ins Auge gefasst hat.

Seinen zweiten Klassensieg landete Dino Drössiger (Bochum) auf Honda Civic. Er fuhr beim DMV-4-Stunden-Rennen nicht wie gewohnt mit Andreas Mäder (Großkugel), sondern mit Heinz-Josef Bermes (Willich) als Partner. Nach zwei Läufen hat Drössiger die Tabellenführung in der Gesamtwertung übernommen und eine hervorragende Basis für die weitere Entwicklung der Meisterschaft der zehn Rennen umfassenden Serie, die allerdings jedem Fahrer zwei Streichresultate zugesteht. In einer ausgezeichneten Ausgangslage sieht sich nach seinem zweiten Klassensieg auch Harald Thönnes (Mülheim-Kärlich) auf VW Polo 16 V. "Allein-Fahrer" Thönnes nimmt den zweiten Platz in der Tabelle ein.
Der Ausschluss einiger Fahrer aus der Wertung wegen Unterschreitung der vorgeschriebenen 15-minütigen Boxenstopps führte nach dem Rennen zu hitzigen Diskussionen mit der Rennleitung. Mit dem Hinweis, dass es gegen die Zeitnahme keine Möglichkeit eines Protestes gibt, wurden die Gespräche beendet.

Ergebnisse, Gesamtwertung DMV-4-Stunden-Rennen (Plätze 1 bis 10):
1. Johannes Scheid/Kurt Thiim (Kottenborn/Luxemburg), BMW M3 E 36 GTRS, 26 Runden in 4:00:19.960 Stunden (135,221 km/h);: 2. Wolfgang Destree/Peter Schmidt (Zornheim/Eltville), Porsche 911 RSR, 4:01:46.101 Std; 3. Johannes Paczynski/Dr. Edgar Althoff (Mönchengladbach/Viersen), Porsche 911 RSR, 4:03:08.363 Std; 4. Frank Klaas/Michael Irmgartz (Frankfurt/Neuwied), Porsche 993 Cup, 4:08:09.623 Std; 5. Meinhard Rittmeier/Carl Reh (Wermelskirchen/Trier), Porsche 993 RSR, 4:09:59.348 Std; 6. Wilhelm Kern/Axel Rohr (Kleinaspach), Porsche 996 Cup, 1 Runde zurück; 7. Jörg Obermann/Hermann Tilke (Mülheim-Ruhr/Aachen), BMW M3, 1 R; 8. Jörg Viebahn/Mario Ketterer (Engelskirchen/Freiburg), BMW M3 E 36, 1 R; 9. Stefan Kissling (Schuld), Opel Astra, 1 R; 10. Jochen Krumbach (Eschweiler), BMW M3, 1 R.

Stand der Gesamtwertung Veedol Langstreckenpokal nach zwei Läufen (Positionen 1 bis 10):
1. Dino Drössiger (Bochum), Honda Civic, 18,73 Punkte, 2. Harald Thönnes (Mülheim-Kärlich), VW Polo 16 V, 18,38 P; 3. Jochen Krumbach (Eschweiler), BMW M3, 18,17 P; 4.Johannes Scheid (Kottenborn), Kurt Thiim (Dänemark), BMW M3 E 36 17,75 P; 6. Kornelius Hoffmann (Blankenheim), Marcel Luhr (Blankenheim), Mercedes 190 E, 17,42 P; 8. Friedrich Burgmann (Essen), Jürgen Burghoff (Hattingen), BMW 320i, 16,66 P; 10. Wilfried Schmitz (Setterich), Bernd Degner (Leichlingen), Honda Civic, 16,19. P.