18.05.2016

Manthey-Kolumne: Was Schmidtchen nicht lernt...

Angenommen, Sie müssten die theoretische Führerscheinprüfung nochmals ablegen, wie viele der 30 Fragen könnten Sie auf Anhieb korrekt beantworten? Oder glauben Sie, ein Test, bei dem Sie Ihr Wissen über Verkehrszeichen oder Vorfahrtsregeln nachzuweisen hätten, wäre für Sie nicht notwendig, weil Sie seit Jahren und Jahrzehnten Auto fahren? Halten Sie, ganz im Ernst, einen solchen Theoriecheck für überflüssig?

Wenn Sie und ich uns mal anschauen, wie sich Autofahrer gelegentlich verhalten, wenn Sie und ich uns mal selbst hinterfragen, wie gut wir über die geltenden Regeln der Straßenverkehrsordnung Bescheid wissen, dann fallen unsere Antworten auf die eingangs formulierten Fragen einheitlich und eindeutig aus. Darauf wette ich.

Wieso gibt es dann Rennfahrer, die eine Zusatzlizenz für bestimmte Rennen auf der Nordschleife kategorisch ablehnen, die sich gegen das E-Learning wehren? Sie tun das mit den Hinweisen darauf, dass sie schon x-mal beim 24 Stunden-Rennen oder in der VLN am Start gewesen seien, dass sie auf der Nordschleife also jahrelang Erfahrungen
gesammelt und demnach nichts mehr zu beweisen hätten.

Den Leuten, die auf stur schalten, sage ich genauso wie denjenigen, die Sinn und Zweck von Permit und E-Learning noch immer nicht so richtig begriffen haben: Es gibt keinen Rennfahrer auf der ganzen Welt, der ausgelernt hat, egal wie lange er wo was gefahren ist. Keinen Profipiloten und schon gleich gar keinen Amateurpiloten.

Wer einen Lizenzantrag unterschreibt, bestätigt, dass er das sportliche Reglement wirklich kennt und es nicht nur, wenn überhaupt, durchgelesen hat. Dass er, beispielsweise, alle Flaggensignale und deren Bedeutung weiß, dass er die Fahrvorschriften intus hat, nicht nur ein paar, sondern alle. Und wie viele Rennfahrer beherrschen die sportlichen Regel aus dem Effeff? Nicht alle. Darauf wette ich auch.

Die Nordschleife ist eine ganz besondere, eine einzigartige Strecke, darin sind sich alle einig. Rennen auf der Nordschleife zu fahren, erfordert eine besondere, eine einzigartige Befähigung, darin sollten sich auch alle einig sein. Diese Befähigung erschöpft sich nicht nur darin, viele Runden gefahren zu sein. Denn auf der Nordschleife ist es wie im richtigen Leben: Alles ist im Fluss. Die Strecke verändert sich, die Rennautos verändern sich, die Fahrer verändern sich, die Sicherheitsmaßnahmen verändern sich, die Rennsituationen sind immer wieder neue.

Bislang gab es vor jedem Rennen der VLN nur die Fahrerbesprechung, in der immer wieder auf die Besonderheiten der Nordschleife und auf die spezifischen Regelungen hingewiesen wurde. Wie viele Fahrer hören, generell, in der Fahrerbesprechung genau zu und merken sich alles? Die meisten nicht. Ich wette schon wieder.

Jetzt sind die Fahrer gezwungen, sich mit den Sicherheitsaspekten der Nordschleife, den Flaggensignalen und den spezifischen Fahrvorschriften auseinanderzusetzen. Dank E-Learning, der Online-Tests und der Stichproben-Kontrollen. Das ist richtig so. Denn es geht um die Sicherheit, um die Sicherheit jedes einzelnen, auf der Rennstrecke und am Rand der Rennstrecke. Und es geht um die Nordschleife.

Die Fahrer, die sich nicht an die Regeln halten, können sofort bestraft werden, ohne Rücksicht auf ein Verfahren vor dem DMSB-Sportgericht. Denn das ist einer der ganz großen Vorteile der Permit: Sie kann vom VLN-Veranstalter bei einem klar belegbaren Regelverstoß auf der Stelle eingezogen werden.

Auf Amateurrennfahrer, die, wie ich neulich in einem deutschen Motorsport-Fachmagazin las, ihr Geld lieber in einen Familienurlaub stecken als in die Teilnahme an Rennen auf der Nordschleife, können wir, denke ich, getrost verzichten. Vielleicht sind es so ein paar Teilnehmer weniger in der VLN. Wenn die Rennen auf der Nordschleife aber wieder sicherer sind, kommen neue Teilnehmer hinzu. Mit Sicherheit. Mit entsprechender Zusatzlizenz.

"k".