04.04.2016

Manthey-Kolumne: Gemeinsam entscheiden

Nach dem Unfall im ersten Rennen der VLN gab es 2015, in stetig wachsendem Maße, kontroverse Diskussionen, hitzige Debatten, verhärtete Fronten um das Thema Sicherheit auf der Nürburgring Nordschleife.

Klar, in einer derartigen Auseinandersetzung haben die unterschiedlichen Parteien – die Teams, die Fahrer, die engagierten Werke, die VLN, der Nürburgring, der DMSB – unterschiedliche Wahrnehmungen, Bewertungen, An- und Absichten. Und bisweilen haben sie, ebenso klar, unterschiedliche Interessen. Eigeninteressen.

Aber: Es gibt ein übergeordnetes Interesse – ein Interesse, das über allen Partikularinteressen steht, ja stehen muss. Und das ist: der Rennsport auf der Nordschleife, der so fair wie nötig und so sicher wie möglich zu sein hat.

Als der DMSB die aus meiner Sicht sinnvollen, weil zieldienlichen Vorschläge der Fahrer-AG, auf deren Expertise er anfangs so viel Wert legte, verwässerte oder gar ablehnte und statt dessen (nicht nur meiner Meinung nach) mangelhafte Beschlüsse ankündigte, habe ich einfach handeln müssen. Am 29. Dezember 2015 formierten sich – auf meine Initiative hin – 76 Teams, alle Stammkunden der VLN, zur Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring, zur ILN; und diese Teams, die 2016 insgesamt 109 Autos in der VLN an den Start bringen, bezogen auf demokratischem Wege einheitlich Position.

Zugegeben, die Entscheidung, die Rennen in der VLN zu boykottieren, falls der DMSB die aus Sicht der ILN notwendigen Maßnahmen tatsächlich verweigern würde, war ein radikales Druckmittel – das aber, und darauf kommt es am Ende des Tages an, die gewünschte Wirkung nicht verfehlte.

Denn: Das anschließende Gespräch mit den Vertretern des DMSB in Frankfurt am 11. Januar 2016 verlief genau so, wie wir, die Teams, die Fahrer, auch die Vertreter der VLN und des ADAC Nordrhein, uns das gewünscht hatten – nämlich sachlich, fachlich orientiert, kooperativ, produktiv, stets das große Ganze im Visier.

In dieser Sitzung zeigte sich, wie elementar wichtig es ist, die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen aller Parteien aufzuzeigen, sie zu verweben, zu bündeln – im Sinne und zugunsten des übergeordneten Interesses. Und das ist nur möglich, wenn sich alle Parteien respektieren und schätzen, wenn sie permanent miteinander reden und einander zuhören, sich regelmäßig multilateral austauschen.

Sicherheit im Motorsport allgemein, auf der Nordschleife speziell – das ist kein Zustand, sondern ein Prozess, ein nie endender Prozess. Fortlaufend gilt es, alle Entwicklungen zu beobachten und angemessen darauf zu reagieren, getroffene Maßnahmen auf ihre Sinnhaftigkeit, Effektivität und Nachhaltigkeit zu überprüfen und stets bereit zu sein, Anpassungen und Nachjustierungen vorzunehmen. Dafür stehen wir von der ILN allzeit ein – und wir hoffen, dass dies auch alle anderen Parteien tun.

Es darf nicht darum gehen, Recht haben zu wollen oder die eigene Macht zu verteidigen. Positionskämpfe ja – auf der Rennstrecke, auf der es am Ende einen Sieger gibt. Positionskämpfe nein – abseits der Rennstrecke, wo wir ein zielorientiertes Miteinander praktizieren wollen, damit am Ende alle Sieger sind.


"k".