26.10.2015

Dramatisch enge Ausgangslagen

Noch einmal gehen im Jahr 2015 die Lichter der Startampel aus, noch einmal kämpfen Werks- und Privatteams in der ‚Grünen Hölle’ um Positionen und Punkte. Für Teams und Fahrer steht am 31. Oktober das große Finale der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ins Haus. Während die Entscheidungen in einigen Wertungen bereits gefallen sind, könnte die Konstellation um die VLN-Meisterschaft, im BMW M325i Racing Cup und im Opel Astra OPC Cup spannender kaum sein. Unter Einbeziehung des Streichergebnisses liegen im Kampf um die VLN-Meisterschaft zwischen den beiden ärgsten Konkurrenten gerade einmal 0,07 Punkte, die Trophäe im Astra OPC-Cup haben noch vier Teams im Visier und im BMW Racing Cup kommt es zum Duell zweier punktgleicher Teams.

In der VLN-Meisterschaft führt Einzelkämpfer Stefan van Campenhoudt – der die Trophäe in der Produktionswagen-Wertung bereits sicher hat – die Tabelle vor dem 40. DMV Münsterlandpokal an. Der Belgier könnte der erste internationale VLN-Champion werden, denn vor 2015 war der Titel lediglich deutschen Fahrern vorbehalten, die Ausschreibung erfolgte nur national. Der Sprung an die Spitze gelang van Campenhoudt erstmals nach dem vergangenen Lauf, als er in seinem BMW 325i nach vier Siegen in Serie auf dem zweiten Platz in der Klasse V4 über die Ziellinie fuhr. Mit dem gleichen Resultat wurden Tim und Dirk Groneck in ihrem Renault Clio in der SP3 abgewunken. Die weiße Weste – die Brüder hatten im Jahr 2015 jeden gewerteten Lauf in der Klasse für sich entschieden – erhielt den ersten Schmutzfleck und die Tabellenführung war dahin. Obwohl beide Kontrahenten im Kampf um die Meisterschaft das gleiche Ergebnis erzielten, konnte van Campenhoudt die Clio-Fahrer überholen, da seine Klasse besser besetzt war.

In der VLN ist die Teilnehmerzahl in einer Klasse bei der Punktejagd von entscheidender Bedeutung. So erhielt der Belgier für seinen zweiten V4-Rang – elf Autos waren am 17. Oktober in dieser am Start – 8,64 Punkte. Die Gronecks kämpften in der SP3 gegen sieben Mitbewerber und kassierten für ihren zweiten Platz nur 8,13 Punkte. Ähnlich wie den Clio-Fahrern erging es den in der Meisterschaft drittplatzierten Arne Hoffmeister und Fabian Wrabetz, die im TMG GT86 Cup mit dem vierten Platz ebenfalls ihre zuvor Weiße Weste abgeben mussten. Die bereits feststehenden Cup-Sieger im Toyota hatten es in ihrer Klasse ebenfalls mit sieben Gegnern zu tun und ernteten lediglich 5,63 Punkte. Eigentlich ein herber Rückschlag im Titelkampf.

Durch das Streichergebnis, das jedes Team in dieser Saison zur Verfügung hat, hält sich der Schaden jedoch in Grenzen. Für die beiden Cup-Sieger sowie die Gronecks endete der neunte VLN-Lauf mit der bis dato schlechtesten Punktausbeute der Saison – folglich wird ihr Ergebnis aus der Gesamtwertung gestrichen. Van Campenhoudts Streichresultat betrifft den dritten gewerteten Lauf , in dem er lediglich 8,13 Punkte sammelte. Vor dem finalen Lauf am 31. Oktober hat van Campenhoudt mit 65,75 Punkten vor den Gronecks mit 65,68 Punkten und Hoffmeister/Wrabetz mit 64,50 Punkten die besten Chancen auf die Meisterschaft – auch weil seine Klasse generell besser besetzt ist als die seiner Konkurrenten.

Im Schnitt gingen in der V4 zehn, in der SP3 acht und im TMG-Cup sieben Autos an den Start. Ginge man davon aus, dass im Finale die Starterzahl in allen drei Klassen diesem Durchschnitt entspricht, wären die Chancen der Toyota-Crew dahin. Selbst im Falle eines Ausfalls beider Kontrahenten könnten sie mit der möglichen Top-Punktzahl von 9,39 Zähler aufgrund der sich verschiebenden Streichresultate die Spitze nicht mehr erklimmen. Wrabetz/Hoffmeister würden sich erst dann die Meisterschaft sichern, wenn im Cup mindestens neun Autos gegeneinander antreten, sie gewännen und beide Kontrahenten im Kampf um den Titel ohne Punkte blieben.

Für die Gronecks gelten für einen erfolgreichen Kampf in der Meisterschaft folgende Grundvoraussetzungen: Sie müssten mindestens 8,2 Punkte holen – das wäre bei einem Feld von insgesamt acht Teilnehmern nur mit einem Sieg möglich, treten neun Autos in der Klasse an, würde der zweite Platz ausreichen; ein dritter Rang würde nur ab einer Starterzahl von mindestens 15 Teilnehmern genügen. Außerdem müssten die Clio-Piloten in der SP3 um einen Rang besser platziert sein, als van Campenhoudt in der V4. In allen anderen Fällen wäre der Belgier VLN-Meister.

Im Opel Astra OPC Cup gestaltet sich die Gesamtrechnung etwas einfacher. Dort gibt es keine Streichergebnisse, die Teilnehmeranzahl spielt ebenfalls keine Rolle. Maximal sind beim Finale noch 32 Punkte zu vergeben: einen für die Pole-Position, einen für die schnellste Rennrunde und 30 für den Klassensieg. Letzteres konnten Juha Hannonen, Jari Nuoramo und Daniel Bohr noch nicht für sich verbuchen, führen durch Podiumsplatzierungen am Fließband jedoch die Tabelle mit 165 Punkten an. Das Trio hat vor dem Finale neun Punkte Vorsprung auf die ärgsten Verfolger Hannu Luostarinen, Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche (157 Punkte). Rechnerische Chancen haben zudem Marcel Senn und Jasmin Preising (140 Punkte) sowie Willy Hüppi und Alex Schula (133 Punkte). Hüppi/Schula würden jedoch nur dann Cup-Sieger, wenn sie die Pole-Position, die schnellste Rennrunde und den Sieg davontragen und alle Kontrahenten beim Finale leer ausgehen würden. In diesem Falle würden sie mit dem Führungstrio gleichziehen und aufgrund der Mehrzahl an gewonnen Rennen die Cup-Wertung gewinnen.

Im BMW M235i Racing Cup geht es ebenfalls eng zu. Nach ihrem vierten Saisonsieg sicherten sich Michele Di Martino und Moritz Oberheim im vergangen Lauf die VLN-Junior-Trophäe (Fahrer bis 25 Jahre) und zogen in der Cup-Wertung mit Ralf Schall und Mario Merten nach Punkten gleich. Für Oberheim eine besonders beachtliche Leistung. Schließlich fährt der erst 18-Jährige seine erste Saison auf der Nordschleife und braucht beim Finale gute Nerven. Im direkten Duell auf der Strecke wird sich am 31. Oktober der Kampf der beiden Teams entscheiden.