11.10.2003

Bei den Favoriten tobt der Klassenkampf - BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft steuert auf Entscheidung zu

NÜRBURGRING. Neun von elf Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 2003 sind gefahren. Am Samstag, 11. Oktober, steht Lauf Nummer zehn, das 27. DMV-250-Meilen-Rennen des AC Monheim auf dem Programm. Nachdem einige „heiße“ Favoriten für den Meistertitel beim neunten Lauf nicht zu zählbaren Ergebnissen kamen, ist die Meisterschaft weiterhin offen. Wohl am schlimmsten traf es beim ADAC-Barbarossapreis Dr. Thomas Stoltz/Andreas Motte (Remscheid). Sie mussten wenige Minuten vor dem Ende des Rennens, in ihrer Klasse in Führung liegend, noch einmal an die Box, um ein paar Liter Benzin nachzutanken. Als der BMW dann wieder ins Rennen gehen sollte, wurde der Gesamtsieger, der Jaguar V8STAR von Dirk Adorf/Hermann Tilke (Altenkirchen/Aachen), gerade abgewunken, und die Ampel an der Boxenausfahrt sprang auf Rot, womit Stoltz/Motte aus der Wertung waren. Wären sie Klassensieger geworden, hätten sie bei der mit 14 Fahrzeugen stark besetzten Kategorie der VLN-Serienwagen bis 2500 ccm Hubraum statt der Null 9,64 Punkte bekommen und hätten damit bei den noch ausstehenden zwei Läufen weniger Druck. Wollen die Remscheider, die jetzt auf dem 14. Tabellenplatz geführt werden, noch den Titel gewinnen, müssen sie nicht nur zwei Mal ihre Klasse gewinnen, sondern auch noch auf die „Mithilfe“ von Hans-Jürgen und Otto Fritzsche hoffen.

Die Hückeswagener Zwillingsbrüder kamen beim Barbarossapreis zwar ins Ziel. Aber mit dem achten Klassensieg bei den VLN-Serienwagen bis 1850 ccm wurde es nichts. Nach einem längeren Boxenstopp nach der ersten Runde, bei dem Zündaussetzer an ihrem Opel Corsa Sport eliminiert wurden, fuhren sie zwar eine bemerkenswerte Aufholjagd, wurden aber dennoch bei vierzehn in der Klasse gestarteten Fahrzeugen nur Sechste. Was sich auf ihr Punktekonto mit einem Plus von 6,07 Zählern und auf den Fortgang der Meisterschaft mit weiter anhaltender Spannung auswirkt. Die am höchsten gehandelten Favoriten bleiben die Fritzsches trotzdem. Nach neun gefahrenen Rennen sagt der Tabellenstand unter Berücksichtigung eines von am Ende insgesamt drei Streichergebnissen mehr aus als die Addition aller neun Rennergebnisse.

Mit ihren besten acht Rennen kommen die Fritzsches auf 73,53 Punkte und halten die Tabellenspitze vor den Porsche-Piloten Paul Hulverscheid (Wipperfürth) und Bert Lambrecht (Belgien) mit 73,14 Zählern. Hulverscheid/Lambrecht haben zwar bisher neun Klassensiege. Die Chancen, ihr Konto noch entscheidend aufzubessern, sind allerdings gering. Denn ihre Klasse – Porsche Carrera Cup – ist mit durchschnittlich sechs Teilnehmern einfach zahlenmäßig nicht stark genug. So können Fahrer aus besser besetzten Klassen, die derzeit noch unter „ferner liefen“ geführt werden, am Ende noch auf vorderen Plätzen in der Gesamtwertung landen. Was nicht nur für Stoltz/Motte gilt. Ein anderes Beispiel: Die Brüder Michael und Peter Bonk (Greven/Senden) tauchen in der aktuellen Tabelle (ein Streichergebnis berücksichtigt) erst an 33. Stelle auf. Sollten ihnen aber noch zwei Klassensiege bei den VLN Specials bis 3000 ccm oder in einer anderen, ebenfalls starken Kategorie gelingen, könnten sie zwei Ergebnisse mit jeweils 8,33 Punkten durch zwei weitaus bessere ersetzen. Für ihren Klassensieg kassierten sie zuletzt beim Barbarossapreis 9,62 Punkte. Hier wird deutlich, was in der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft nach neun Läufen noch alles an Spannung steckt, und welch großer Spielraum für Spekulationen vor dem zehnten Rennen noch besteht.

Nach dem grandiosen Erfolg beim Barbarossapreis gehört der Jaguar V8STAR von Dirk Adorf und Hermann Tilke auch bei den „250 Meilen“ zum engsten Kreis der Anwärter auf den Tagesgesamtsieg. Einen erneuten Erfolg des „Allround-Rennwagens“ vom Team Sagarage wollen andere, die beim neunten Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 2003 nicht gerade zu den Glückskindern zählten, verhindern. Der amtierende Meister Mario Merten aus Nürburg und seine Fahrer-Partner Johannes Scheid (Kottenborn) und Oliver Kainz (Kottenheim) beispielsweise werden alles tun, um den Scheid-BMW M3 GTRS zum dritten Saisonsieg zu fahren. Und da ist weiter noch die große Porsche-Fraktion, aus der jederzeit ein Gesamtsieger kommen kann. Und auch „Alleinunterhalter“ Artur Deutgen (Duisburg) lechzt nach einer Durststrecke geradezu nach einem großen Erfolg. Voraussetzung ist natürlich, dass sein Dolate-BMW auch nicht das geringste Anzeichen von Schwäche zeigt. Denn Schwäche wird in der Langstreckenmeisterschaft von der Konkurrenz sofort gnadenlos zum eigen Vorteil ausgenutzt.

Spannend ist beim DMV-250-Meilen-Rennen nicht nur der Kampf um den Tagesgesamtsieg, noch spannender wird es sein, zu beobachten, wie sich die Favoriten für die Nachfolge von Meister 2002, Mario Merten, aus der Affäre ziehen.

Der Name des Rennens kommt aus der Tradition, hat aber heute, was die Distanz betrifft, nichts mehr mit 250 Meilen zu tun. Gefahren werden dreieinhalb Stunden auf der 24,433 Kilometer langen Kombination aus Nürburgring-Nordschleife und verkürztem Grand-Prix-Kurs.

Das Zeittraining ist von 8.30 Uhr bis 10 Uhr, das Rennen wird um 12 Uhr gestartet.