02.10.2015

Formel 3 Ausgleichssport

Sein Job ist zeitintensiv. Er ist für die Organisation und Vermarktung der FIA Formel-3-Europameisterschaft zuständig. Für Christoph Hewer bedeutet dies als Serienmanager der Formel 3 viele Stunden Arbeit, größtenteils hinter dem Schreibtisch. Als Ausgleich tauscht Hewer seit der VLN-Saison 2014 seinen Bürostuhl mit dem Fahrersitz eines BMW Z4 M Coupé. Soweit es sein üppiger Terminkalender zulässt, gibt er für das Team Wikispeed in der ‚Grünen Hölle’ Gas. „Ich begleite junge Talente bei ihrem möglichen Schritt in den professionellen Motorsport und verfolge ihre Karrieren dann über Jahre. Das finde ich an meinem Job besonders schön“, sagt Hewer. „Aber, der Reiz in mir, selber zu fahren ist sehr groß. Da bietet mir die VLN die perfekte Gelegenheit.“ In dieser Saison ist Hewer für das Team Wikispeed als Stammfahrer auf dem Nürburgring am Start – auch wenn er nicht an allen Rennen teilnehmen kann.

„Ich bin bei der Formel 3 mit meinem Team für alles zuständig, was außerhalb der Rennen selbst passiert“, sagt Hewer. Um Vermarktung, Pressearbeit und Organisation adäquat umsetzten zu können, ist die Anwesenheit an den Rennwochenenden unabdingbar. Elf Mal sind die Piloten der Serie im Jahr 2015 im Einsatz, häufig im Rahmenprogramm der DTM. Auslandsrennen, wie in Monza oder Portimão, sind besonders zeitintensiv. Hewer: „Dazu kommen noch die Testtage. Da sind wir dann noch zwei- bis dreimal im Jahr zusätzlich auf Reisen.“ Trotz allem findet Hewer die Zeit, um sich den Herausforderungen der Nordschleife bei der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring zu stellen. Im Gegensatz zu seiner Arbeit ist der Einsatz in der Eifel mit einem für ihn überschaubaren Zeitaufwand verbunden: „Zum Glück habe ich ein Team, das sich um alles kümmert und alles perfekt vorbereitet. Ich muss eigentlich nur an der Stecke erscheinen, um mich hinter das Steuer zu setzen. Da ich in Köln wohne, ist es mit der Anfahrt auch nicht so problematisch.“ Zu den VLN-Rennen reist Hewer am Freitagnachmittag an und kehrt am Samstagnachmittag nach dem Rennen wieder zurück. „So bleibt auch noch Zeit, um sich mal vom Motorsport zu erholen.“

Vielmehr ist es eine kurze Auszeit von seiner großen Leidenschaft. „Motorsport war schon immer mein Leben.“ Mit elf Jahren begann Hewer im Kartsport sein aktives Engagement auf der Rennpiste. Neun Jahre lang saß er regelmäßig in verschieden Rennklassen hinter dem Steuer, erlangte unter anderem die Lizenz für Formel Junior Fahrzeuge (heutige F4). Im Jahr 1999 probierte er sich im Rahmen der STW im Lupo-Cup, ehe er dem Studium seine ganze Aufmerksamkeit widmete. „Ich wollte aber immer zurück in den Motorsport und habe so die Formel 3 als Arbeitgeber für mich entdeckt.“ Zeit, um selber Rennen zu fahren, fand sich damals nicht. Der Sehnsucht nach einem Platz im Cockpit war jedoch immer vorhanden. Seit 2014 kann er dieser bei Wikispeed wieder nachgehen. „Die VLN eignet sich für mich besonders. Es ist eine professionelle Serie, in der man aber auch als Amateur-Fahrer ein bisschen was ausrichten kann.“ Im Grunde möchte Hewer seither so viele Rennen wie möglich absolvieren.

Oftmals kollidieren die Termine aber mit denen der Formel 3. So bestreitet er in der Saison 2015 jedes gerade Rennen und fuhr mit seinen Teamkollegen in der Klasse SP6 zweimal auf den fünften und einmal auf den dritten Rang. „Ich versuche mich in dieser Saison fahrerisch zu festigen, was mir bisher auch gut gelungen ist. Der dritte Rang beim vierten VLN-Lauf ist dabei natürlich ein schöner Nebeneffekt.“ Generell möchte Hewer auch in den kommenden Jahren regelmäßig bei der VLN an den Start gehen – wenn der Terminkalender es zulässt.