02.10.2015

Leidenschaft und kühler Kopf

Ein flammendes Herz prangt auf dem Dach des Wagens mit der Startnummer #285. Sinnbildlich für die Leidenschaft der beiden Piloten im Cockpit. Doch so heiß die Herzen von Tim und Dirk Groneck für die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring auch brennen, umso kühler ist im Gegensatz ihr Kopf, wenn die Brüder ihren Renault Clio durch die ‚Grüne Hölle’ pilotieren. Es ist wohl diese Mischung, die den Erfolg der beiden Fahrer aus dem niedersächsischen Melle ausmacht. Im Jahr 2013 feierten die Gronecks bereits den VLN-Gesamtsieg und sind in diesem Jahr drauf und dran, dieses Kunststück zu wiederholen. In der Klasse SP3 macht ihnen auf der Nordschleife niemand etwas vor: In jedem der sechs gewerteten Läufe standen die Gronecks dort ganz oben auf dem Podest – Saisonübergreifend feierten sie acht Siege hintereinander. Die Niedersachsen sind auf dem besten Wege zum VLN-Gesamtsieg 2015, führen das Klassement seit dem dritten gewerteten Rennen auf dem Nürburgring an. Doch Tim Groneck weiß: „Wenn das so weiter geht, wird das nichts.“

Blitzsauber – anders könnte man die bisherige Saison der Gronecks nicht zusammenfassen. Obwohl auch die beiden Meller so ihre Schwierigkeiten hatten: „Ich glaube, es ist selten, dass man in einem Rennen keine hat. Letztlich ist aber alles optimal gelaufen und wir haben unser Möglichstes getan“, lautet Tim Gronecks Fazit. Die größten Probleme hatten beide beim Sechs-Stunden-Rennen, als man sich bei der Reifenwahl verzockte, sowie beim vierten VLN-Lauf, als ein Reifenschaden in der ersten Runde die Startnummer #285 zwischenzeitlich auf den sechsten Klassenrang zurückwarf. Doch wie so oft kämpfte sich das Duo zurück und sicherte sich auch in diesem Lauf den Sieg. Dass dieser beim sechsten Saisonlauf gelingen würde, damit hatten auch die beiden Piloten nicht unbedingt gerechnet. Der stärker motorisierte Honda Civic R3 von Markus Fugel und Uwe Wächtler schien der Favorit und unterstrich dies mit der deutlichen Bestzeit im Training. Doch auch in diesem Rennen führte die materialschonende und clevere Fahrweise der beiden Gronecks letztlich zum Sieg. „Ich will keinem zu nahe treten. Aber, ich glaube, mein Bruder und ich sind zwei ebenbürtige, schnelle Fahrer. Das ist bei vielen Konkurrenten nicht der Fall. Da kann einer vielleicht zwei Stunden schnell fahren, der andere ist jedoch deutlich langsamer unterwegs“, nennt Groneck ein weiteres Erfolgsrezept.

Im Jahr 2011 begann bei den Brüdern die Clio-Ära. Damals kauften sie ihren ersten von Henry Walkenhorst, der ebenfalls aus Melle stammt. „Da haben wir absolut nichts verkehrt gemacht. Der Clio ist in Preis-Leistung unschlagbar. Man bekommt einiges an Fahrspaß geboten, er ist super standfest. Wir haben eigentlich nur einen gelernten Schrauber im Team und haben ihn trotzdem gut im Griff.“ Ein Grund, warum die beiden sich eigentlich kein anderes Fahrzeug mehr wünschen: „Wir könnten uns auch mal vorstellen, leistungsstarke Hecktriebler zu fahren. Aber, wir brauchen ein Auto, das wir mit unserem kleinen Hobbyteam auch neben der Arbeit noch für Rennen vorbereiten können.“ Genauer gesagt für die ‚Grüne Hölle’. Denn an anderen Orten möchte Groneck nur ungern an den Start gehen: „Schnelle Kurven, Kompressionen, Sprünge – das bietet nur die Nordschleife. Dort liegen auch die Stärken von meinem Bruder und mir. Eine Serie auf einem anderen Kurs, das wäre für mich nichts.“

Ohne die Unterstützung der Familie, den Arbeitgebern und den Sponsoren, wäre das VLN-Engagement der Brüder ohnehin undenkbar: „Das kann man von einem einfachen Gehalt nicht bezahlen. Dafür müssen schon alle an einem Strang ziehen. Und genau das tut jeder, wofür ich sehr dankbar bin.“ Deshalb wäre es umso schöner, wenn sich die Brüder für die Unterstützung mit dem Gesamtsieg bedanken könnten. Groneck aber sieht da ein Problem: „Unserer Verfolger aus dem TMG GT86 Cup haben mehr Teilnehmer. Wenn es so weiter läuft, geht sich das in dieser Saison nicht aus.“ Kein Beinbruch für das kleine Team: „Wir hatten nicht das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen. Jetzt haben wir sie aber vor Augen. Wenn wir jedes Rennen gewinnen und den Titel trotzdem nicht holen, ist das zwar schade, aber nicht schlimm. Wir haben ja alles für den Erfolg getan. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“