07.09.2015

Die Tabellenführer sind nicht zu bremsen

Sechs Stunden lang drehten sie ganz im Zeichen des Blitzes ihre Runden und lieferten sich einen spannenden Kampf um den Tagessieg beim Opel 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen. Der siebte Lauf des Opel OPC Cup bot den Zuschauern rund um die berühmte Nordschleife Motorsport-Unterhaltung der allerersten Güte. Die Fahrer, die ein Fabrikat mit dem Blitz im Kühlergrill pilotierten, waren beim siebten Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft besonders motiviert. So stürzten sich zwölf Teams in ihren 320 PS starken GTC OPC in das Abenteuer ‚Grüne Hölle’, um im hart umkämpften Cup die Konkurrenz hinter sich zu lassen.

Am Ende des längsten Rennens der VLN-Saison hatten wieder einmal die alten Hasen Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche mit ihrem Teamkollegen Hannu Luostarinen die Nase vorn. So konnte zum ersten Mal in diesem Jahr eine Mannschaft im beliebten Opel-Markenpokal zwei VLN-Läufe hintereinander gewinnen. Dabei ließ sich das Trio von Ti-Tarvike Racing nicht einmal von frühen technischen Problemen bremsen, gewann das Rennen nach 37 Runden und baut seine Cup-Führung aus. Heinz-Otto Fritzsche: „Es hat total Spaß gemacht. Wir sind unheimlich happy über diesen Sieg – eine richtig tolle Geschichte.“

Für die Fritzsches und Luostarinen begann das Rennen allerdings alles andere als optimal. Von der Pole-Position waren die Zwillingsbrüder mit ihrem finnischen Kollegen gestartet und sahen sich schon in der ersten Stunde mit einem Problem konfrontiert: Der vierte Gang hatte sich verabschiedet. Doch Erfahrung verleiht Gelassenheit, und von dieser legte das Trio eine gehörige Portion an den Tag. „Ach, das ging schon. Wir mussten immer etwas hochtouriger fahren, wussten auch, dass wir auf diese Weise natürlich mehr Sprit verbrauchen würden“, sagte Heinz-Otto Fritzsche. „Da haben wir eben unseren Tankstopp um eine Runde nach vorne verlegt.“ Auch von den schwierigen Wetterbedingungen in der Anfangsphase des Rennens ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. „Gut, das war etwas knifflig. Aber in einem 6-Stunden-Rennen hat man immer Zeit, kleine Fehler wieder gut zu machen“, so Fritzsche. Der Cup-Opel mit der Startnummer 353 setzte sich von Runde zu Runde immer weiter von der Konkurrenz ab und feierte letztlich einen ungefährdeten Sieg – der Vorsprung im Ziel betrug über eine Runde.

Willy Hüppi und Alexander Schula blieb nichts anderes übrig, als die Leistung des bärenstraken Siegertrios neidlos anzuerkennen. Sie freuten sich zunächst über den zweiten Platz, ehe die Rennleitung auf Wertungsausschluss entschied. Durch einen strategischen Fehler hatte das Duo ihre gute Platzierung verspielt. Das Team mit der Startnummer 339 hatte sich beim Tanken verspekuliert und musste in der letzten Rennrunde noch einmal die Box ansteuern. Unerlaubterweise, da das Rennen zu diesem Zeitpunkt bereits abgewunken war. So wurde dieses Manöver nicht als Zieldurchfahrt gewertet – der zweite Platz war verloren.

Diesen erbten Jari Nuoramo, Juha Hannonen und Daniel Bohr: „Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn wir diesen Platz im Rennen herausgefahren hätten. Aber so ist es eben im Motorsport – Regelverstoß ist Regelverstoß.“ Zu Beginn des Rennens hatte Startfahrer Hannonen mit den Bedingungen hart zu kämpfen. Mit geschnitten Slicks am Fahrzeug ging er auf Nummer sicher, nahm lieber einige Sekunden Zeitverlust in Kauf, als die Zielankunft zu gefährden. Als die Strecke dann aber komplett trocken war, gaben sie ihrem GTC OPC gehörig die Sporen. „Wir haben gepusht ohne Ende und sind auf den dritten Platz – letztlich sogar den zweiten – nach vorne gefahren. Ein perfektes Wochenende für uns“, bilanziert Bohr.

Für Marcel Hartl, Roger Vögli, Robert Schröder und Michael Brüggenkamp glich der dritte Platz einem kleinen Wunder. Sie hatten im Training einen heftigen Unfall und schafften es in letzter Minute, ihren Wagen mit der Startnummer 344 noch herzurichten. Nichtsdestotrotz musste das Quartett vom letzten Platz losfahren. „Das ist einfach unglaublich“, sagte ein im Ziel immer noch verblüffter Brüggenkamp. „Das ganze Team hat alles gegeben und wurde für die Arbeit belohnt. Wir sind auf diese Leistung extrem stolz.“ Gerade am Start fanden die vier Piloten, die für das Team Lubner Motorsport ins Rennen gingen, extrem schwere Bedingungen vor. Sie mussten sich vom Ende des Feldes durch eine regelrechte Wand aus Gischt nach vorne durchkämpfen. Brüggenkamp: „Es war einfach ein super Fight, ein spannender Kampf und ein tolles Rennen. Wir sind extrem glücklich, dass uns dieser Ritt gelungen ist.“

Nach dem siebten VLN-Lauf führen die Fritzsches und Luostarinen den Opel OPC Cup mit 157 Punkten souverän an. Durch den Sieg beim 6h-Rennen ist ihr Vorsprung auf die ersten Verfolger Nuoramo/Hannonen/Bohr (122 Punkte) so weit angewachsen, dass sich die Tabellenführer sogar ein Rennen Pause gönnen könnten – 30 Punkte gibt es für einen Klassensieg –, ohne die Führung einzubüßen. Dass es dazu kommen wird, ist aber mehr als unwahrscheinlich. Schließlich fehlt Heinz-Otto Fritzsche nur noch ein Klassensieg, um in der ewigen Bestenliste mit dem Spitzenreiter Ralf Schall (82 Klassensiege) gleichzuziehen. Heinz-Otto Fritzsche: „Wir sind zu allen Schandtaten bereit.“ Spannend wird zudem der Kampf um die weiteren Plätze im Opel OPC Cup: Die Fünften, Hartl/Vögli/Schröder/Brüggenkamp, und die Zweiten trennen lediglich 22 Zähler.