04.09.2015

Erst Nürburgring, dann Le Mans

Beim siebten VLN-Lauf, dem 6h Opel Ruhr-Pokal-Rennen, wird er wieder ein Blickfang sein: der SCG 003 Competizione von der Scuderia Cameron Glickenhaus. Die 530 PS-starke Eigenkonstruktion von Teamchef James Glickenhaus machte schon beim ersten VLN-Lauf der Saison von sich hören – zu laut. Weil der SCG 003 C die erlaubte Dezibelgrenze überschritt, wurde er disqualifiziert. Das Glickenhaus ein echtes Geschoss konstruiert hat, zeigt die Zeit, die der SCG 003 für die Nordschleife benötigte. Nach Aussage des Teams waren es 6:42 Minuten – Rundenrekord. Wir haben Glickenhaus vor dem siebten VLN-Lauf zu seinen Plänen, Wünschen und Träumen befragt.

Ihr Vater erzählte in einem Interview, dass Sie bereits als kleiner Junge von Motoren fasziniert waren. Was begeistert Sie genau am Motorsport?
Als ich noch sehr klein war habe ich es geliebt Dinge auseinanderzunehmen, um zu sehen, wie sie funktionieren. Motorsport bietet die ultimative Möglichkeit zu testen, ob und wie Autos wirklich funktionieren.

Nun gibt es so viele Hersteller – warum ausgerechnet Ferrari?
Zu Beginn bin ich auf diese Marke aufgrund der Schönheit der Autos und deren unglaubliche Geschwindigkeit aufmerksam geworden. Mit dem SGC 003 ist erstmals die Zeit gekommen, in der ich versucht habe, ein komplettes Auto zu konstruieren, das nichts mit einem Ferrari gemein hat. Für mich ist das 24h-Rennen auf dem Nürburgring der ultimative Test für Langstrecken-Rennen. Ich versuche ein Auto zu bauen, das mit den großen Herstellern dort mithalten kann. Das hat Ferrari bisher noch nicht geschafft und meine Bemühungen machen mich sehr stolz.

Auf dem Weg zu diesem Ziel investieren Sie gewaltige Summen in die Entwicklung Ihrer Autos. Gibt es in diesem Punkt überhaupt finanzielle Limits, die Sie sich setzen?
Nein, ich möchte das 24h-Rennen eines Tages gewinnen. Mir ist klar, dass dieses Ziel nur schwer zu erreichen ist. Aber, ich werde es weiter versuchen. Nichts ist unmöglich, was mir der Sieg des P 4/5 C bei der FIA Alternative Energies Championship gezeigt hat.

Was geht in Ihnen vor, wenn eines Ihrer Autos auf der Strecke demoliert wird?
Mir kommen die Tränen. Ich fühle mich dann immer an Enzo Ferrari erinnert, der sein Leben als „schreckliche Freude“ beschrieb.

Fällt es Ihnen schwer, Ihre Autos auf der Rennstrecke in fremde Hände zu geben? Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Piloten aus?
Nein, das fällt mir nicht schwer. Ich war nie ein guter Fahrer. Ich bin Teameigener und das macht mich sehr glücklich. Wir gucken uns nach selbstsicheren, netten Männern und Frauen um, die den Ring kennen und auf unseren Teamchef Paolo Garella hören. Außerdem müssen sie natürlich schnell sein.

Welche Rolle spielt die Nordschleife des Nürburgrings für Sie? Welchen Stellenwert haben die Starts bei den VLN-Rennen?
Der Nürburgring, speziell das dortige 24h-Rennen, hat für mich den gleichen Stellenwert wie Woodstock. Dort zu fahren ist für mich, als würden die New York Yankees mit mir als Besitzer eine Meisterschaft spielen. Die VLN-Rennen sind für uns die perfekte Gelegenheit, Dinge auszuprobieren und zu testen, um für das 24h-Rennen bestens gerüstet zu sein.

Gibt es eine Rennserie, die Sie besonders in Ihren Bann schlägt? Oder ein spezielles Rennen?
Ich würde es lieben, einen LMP1 für Le Mans zu fertigen. Aber, das benötigt viele Sponsoren und Partner. Wir haben uns bereits einen großen Motor und ein Hybrid-System für einen LMP1 beschafft. Bevor dieser Traum aber wahr werden kann, haben wir noch einen sehr langen Weg zu gehen.

Wann wäre der Punkt erreicht, an dem Sie sagen: Jetzt habe ich meinen Traum im Motorsport erfüllt? – Anders gefragt: Warum machen Sie das Ganze überhaupt?
Ich habe viele Träume und ich genieße es, es zu versuchen, sie alle wahr werden zu lassen.

Sie haben sich in den 90er-Jahren auch in der Filmbranche versucht. Ist diese Passion noch vorhanden, haben Sie in diesem Bereich noch unerfüllte Träume? Oder ist das Kapitel Film für Sie endgültig abgehakt?
Die Filmwelt hat sich sehr verändert, seit ich The Exterminator (1980) und Blue Jean Cop (1988) gemacht habe. Ich war damals ein Geschichtenerzähler. Doch wer weiß schon, ob ich eines Tages nicht wieder einer sein werde.

Ihre Leidenschaften Motorsport und Film sind medial überliefert. Gibt es noch andere Projekte, in denen Sie sich besonders engagieren?
Die Glickenhaus-Foundation unterstützt viele Wohltätige Zwecke, von denen meine Familie meint, dass sie die Welt zu einem besseren Ort machen. In der Foundation engagiere ich mich eigentlich immer und zu jeder Zeit.