04.09.2015

Mit Bio-Technik zum Erfolg

Eigentlich wollten sie bereits im ersten Drittel der VLN-Saison ihre Premiere geben: das Care for Climate Team. Smudo, Thomas von Löwis of Menar, Sascha Friedrich und Daniel Schellhaas überlegten es sich dann aber doch noch einmal anders. Schließlich war ihr VW Scirocco 2.0l TDI im Winter komplett überarbeitet worden – das Team wollte kein Risiko eingehen und unbedingt beim 24h-Rennen am Nürburgring an den Start gehen. „Wir sind auf Nummer Sicher gegangen. Schließlich hatten wir eine Menge am Wagen verändert. Wir wollten nach den 24h dann regelmäßig an den VLN-Rennen teilnehmen“, sagt von Löwis. Aufgrund eines Unfalls beim Eifel-Marathon musste die Teilnahme bei der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring aber erneut auf Eis gelegt werden. Beim 6h ADAC Ruhr-Pokal-Rennen am 5. September ist es nun aber endgültig so weit. Der Texter und Rapper der „Fantastischen Vier“, Smudo, will mit seinen drei Kollegen nun richtig durchstarten. Doch wie der Name des Teams es schön verrät: Die Vier wollen nicht nur schnell sein. Sie wollen auch zeigen, dass Biostoffe im Motorsport hilfreich und absolut konkurrenzfähig sind.

Eine Beweisführung, die schon beim 24h-Rennen stichhaltige Argumente lieferte. So war der Scirocco lange schnell unterwegs. Das Teilnehmerfeld der Alternativen Klasse führte das Quartett an, fuhr zwischenzeitlich auf dem 53. Gesamtrang. „Ich glaube, eine tiefe 40er-Platzierung wäre bei einem Zieleinlauf möglich gewesen“, so von Löwis. In der Nacht Schlug aber das Schicksal in Form eines Mitstreiters unbarmherzig zu. Ein anderes Auto verunfallte und riss den Scirocco mit sich von der Strecke. „Aber, das ist Schnee von gestern“, sagt von Löwis, der den Fokus nun voll auf das 6h-Rennen gerichtet hat. Dort will er zeigen, dass nicht nur die besondere Konstruktion des Autos – unter anderem sind Türen, Kofferraumabdeckung, Motorhaube und Stoßstangen des Sciroccos nicht aus Kohle- sondern aus Biofaser - für schnelle Zeiten in Frage kommt. Auch die Haltbarkeit des Motors, der mit einem Dieselkraftstoff mit 33 Prozent Biosprit-Anteil betrieben wird, soll auf den Prüfstand gestellt werden. Von Löwis: „Bei den drei 24h-Rennen zuvor hat der Motor nach spätestens 18 Stunden versagt. Das ist jetzt nicht mehr so.“ Um diese Annahme zu prüfen, wird das Team an allen Rennen der verbleibenden VLN-Saison an den Start gehen.

Der Unfall beim vergangenen 24h-Rennen, so bitter er auch war, hat dem Team und den beteiligten Forschungsinstituten, wie der Hochschule Hannover, aber zusätzlichen Auftrieb verliehen. So zeigte sich, dass die Beschädigungen an den Biofaser-Teilen lange nicht so groß waren, wie beim herkömmlichen Material. „Wir waren begeistert. Das Unfallbild hätte aufgrund der Wucht viel schlimmer ausfallen müssen“, erklärt von Löwis. „Aber, im Gegensatz zur Kohlefaser splittert das Bioprodukt nicht.“ In Sachen Gewicht fehle der Bio- im Vergleich zur Kohlefaser noch sieben Prozent. Was die Struktur angeht, wären beide nahezu gleich auf. „Zudem werden solche Projekte, wie wir sie betreiben, auch noch mit Fördergeldern subventioniert. Das ist eine echte Alternative. Da sollten sich manche Hersteller mal Gedanken machen und endlich umdenken“, appelliert von Löwis. Der plant im kommenden Jahr schon ein weiteres großes Projekt. Auf dem Weg dorthin wären starke Auftritte bei den VLN-Rennen für die weitere Überzeugungsarbeit und reichlich Zusatzmotivation hilfreich.