24.04.1999

Härtetest für innovative Antriebe - 3. Lauf zum Veedol Langstreckenpokal: Erdgas- und Bio-Diesel im Tank

NÜRBURGRING. Nach ihren Siegen in den beiden ersten Rennen sind Peter Zakowski (Niederzissen) und Hans-Jürgen Tiemann (Soltau) auch die klaren Favoriten für den Gesamtsieg beim dritten Lauf zum Deutschen Veedol Langstreckenpokal Nürburgring, dem ADAC-ACAS-Bilstein-Cup, den der Automobilclub Altkreis Schwelm (ACAS) am Samstag, den 24. April, veranstaltet. 23 Runden über verkürzte Grand-Prix-Strecke und "Grüne Hölle" Nordschleife haben die erwarteten über 130 Teams vor sich.

Im Kampf um den Gesamtsieg war bisher noch kein Kraut gegen die Chrysler Viper von Zakowski/Tiemann gewachsen. Der amerikanische GT-Wagen hat überzeugt, überrascht aber auch. Denn über die Qualitäten seines 8-Liter-Zehnzylindermotors (geschätzte Leistung 600 PS) wußte man Bescheid. Aber daß auch das Fahrwerk des 1150 Kilogramm schweren Wagens mit den Tücken der Nordschleife so gut fertig wird, hat einigermaßen verblüfft. Doch auch die Viper ist nicht unschlagbar. Zwar peilen Tiemann/Zakowski beim Bilstein-Cup den Hattrick an, aber ein Abonnement auf Platz eins haben auch sie nicht. Vor allem Jürgen Alzen (Kausen) wird alles tun, um seinen silbergrauen Porsche im dritten Anlauf vor der gelben "Giftschlange" ins Ziel zu bringen.

In der Punktetabelle rangieren Tiemann/Zakowski auf dem fünften Rang. Hier wird das Wertungssystem des Veedol Langstreckenpokals deutlich, das bei der Punktevergabe die Teilnehmerzahl in der jeweiligen Klasse berücksichtigt. Am stärksten besetzt war in den beiden bisherigen Rennen jeweils die Klasse A3. Sie wurde beide Male von Klaus-Peter Thaler/Heinz Remmen (Gevelsberg/Finnentrop) auf einem Kissling-Opel-Astra gewonnen, die damit auf 19,34 Punkte kommen und die Tabelle anführen. Ihnen auf den Fersen sind Uwe Unteroberdörster und Jens Lührsen (Lohmar/Wildeshausen). Mit ihrem Suzuki Swift waren sie zweimal Erste in der Klasse A1. Man braucht also nicht unbedingt ein "dickes Auto", um Chancen auf einen Spitzenplatz am Saisonende zu haben.

Der Deutsche Veedol Langstreckenpokal war in seiner langen Geschichte - derzeit läuft die 24. Auflage - auch immer eine Serie, die für Test genutzt wurde. Denn keine andere Rennstrecke der Welt offenbart schonungsloser Stärken und Schwächen eines Fahrzeuges als die Nürburgring-Nordschleife.

Als Test ist auch der Einsatz eines neuen Volkswagen Bora TDI von VW Motorsport beim Bilstein Cup am nächsten Samstag gedacht. Die Profis Kris Nissen (Dänemark) und Jean Francois Hemroulle (Belgien) fahren den Bora, mit dem bei Tests auf der Nordschleife vor einigen Wochen sensationelle Rundenzeiten erreicht wurden. Der jetzige Renneinsatz ist als Härtetest in der Vorbereitung auf das ADAC-24-Stunden-Rennen (2. Bis 6. Juni) zu sehen. Mit dem gleichen Hintergrund geht beim dritten Veedol Langstreckenpokal-Lauf ein Audi A4 quattro von Abt Motorsport (Kempten) an den Start. Das geradezu Sensationelle an diesem Auto ist das Betriebsmittel: Der Motor wird mit Erdgas gespeist. Der Audi A4 ist ein Ex-STW-Auto (dort mit Benzin betrieben). Der Fünfzylinder-1,8-Liter-Turbomotor leistet 280 bis 300 PS. Die Kraftübertragung erfolgt über ein sequentielles Sechsgang-Getriebe. Die Erdgas-Tankstelle steht auf einem Lkw-Anhänger. Der Tankvorgang selbst dauert nur wenige Sekunden. Daß hier nicht "gespielt" wird, beweist die hochkarätige Besetzung des Wagens. Christian Abt und Christian Menzel, beide in der Deutschen ADAC Supertourenwagen-Meisterschaft erfolgreich, pilotieren den Audi mit dem hochinteressanten Alternativ-Antrieb.

Mit einem anderen, ebenfalls sehr umweltfreundlichen Kraftstoff agieren Martin Dose (Hohenstein) und Friedrich Ney (Waiblingen). Bio-Diesel fließt aus dem Tank ihres VW Golf IV zum Motor. Das Fahrzeug wurde mit Unterstützung von VW Motorsport vorbereitet und soll sämtliche zehn VLN-Läufe fahren.

Der Veedol Langstreckenpokal unterstreicht auch im dritten diesjährigen Lauf seine Qualitäten als Wettbewerb für Breitensport auf professionellem Niveau und als Testfeld für neue Rennwagen und innovative Antriebe.