27.07.2002

Im Alleingang zum Sieg auf dem „Ring“ - Erfolg für Artur Deutgen

NÜRBURGRING. Premierenfestival beim sechsten Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. Zum ersten Mal in der Saison 2002 stand mit BMW-Fahrer Artur Deutgen (Duisburg) kein Porschepilot ganz oben auf dem Siegertreppchen. Für Deutgen war es ebenso der erste Gesamtsieg bei der von der Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring (VLN) veranstalteten Meisterschaft wie für sein Team, Dolate Motorsport aus Neuwied. Und auch auf dem zweiten Rang landete mit Michael Bäder (Ofterdingen) und Tobias Hagenmeyer (Schwieberdingen) ein BMW M3. Der dritte Rang ging nach 4 Stunden und 25 Runden über die Sprintstrecke des Grand-Prix-Kurses und die legendäre Nordschleife an das Trio Wolfgang Destrée (Zornheim), Dr. Edgar Althoff (Viersen) und Paul Hulverscheid (Wipperfürth) auf Porsche 911 GT3. Insgesamt 144 Fahrzeuge waren an den Startgegangen, 91 kamen schließlich in die Wertung.

Das hatten sich die Verantwortlichen der VLN und die vielen Fans der beliebtesten Breitensport-Rennserie Europas gewünscht: Ein Rennen, wo nur Sekunden über Sieg und Niederlage entschieden. Der sechste Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft, das 25. RCM-DMV-Grenzlandrennen des Rheydter Club für Motorsport, übertraf aber noch alle Erwartungen. An der Spitze der Gesamtwertung wurde um Sekunden gekämpft und wechselte die Führung mehrfach. Nicht minder spannend ging es in den einzelnen Wertungsklassen zu.

Und in den Klassen gab es auch die ersten Überraschungen, die letztlich mitentscheidend sein können, wer in diesem Jahr die Meisterschaft nach zehn Rennen gewinnt. Denn mit Mario Merten (Nürburg) auf BMW 318iS sowie dem Team Rainer Brückner (Loffenau) und Peter Brings (Mülheim) auf Mercedes 190 E 2,5 verabschiedeten sich in Runde neun fast zeitgleich die derzeit Führenden in der Gesamtwertung. Brückner/Brings schieden nach einem Unfall am Streckenabschnitt Antoniusbuche aus. Mario Merten musste seinen BMW mit Motorschaden am Schwalbenschwanz abstellen. Besonders ärgerlich für Lokalmatador Merten: Insgesamt 18 Fahrzeuge hatten in seiner Klasse gemeldet. Und weil die Klassenstärke auch die Punktezahl bestimmt, hätte er beim Grenzlandrennen seine Führung sogar noch ausbauen können.

Nicht minder verbissen wurde aber auch an der Spitze des Feldes gefightet. Dort lieferten sich das Porsche-Team von Destrée/Althoff/Hulverscheid und die Mercedes-Fahrer Kurt Thiim( (Luxemburg) und Dennis Rostek (Porta Westfalica) mit den BMWs von Artur Deutgen und Bäder/Hagenmeyer einen packenden Kampf um die Führung. Die Vorentscheidung, dass es diesmal wohl einen BMW-Sieg geben würde, fiel ebenfalls in Runde neun. Da gab es für das Porsche-Team und die Mercedes-Crew eine Stop-and-Go-Strafe wegen Verstoßes gegen die Flaggensignale. Jene Sekunden, die beide Teams durch die Extrarunde durch die Boxengasse verloren, konnten sie bis zum Schluss nicht mehr aufholen.

An Dramatik und Spannung mangelte es aber auch im weiteren Verlauf nicht: Hält der Führende Deutgen dem Druck von Bäder/Hagenmeyer stand und steht er die körperlichen Strapazen als Alleinfahrer überhaupt durch? Denn am Ring herrschte am Wochenende richtiges Sommerwetter. Für die mehr als 23.000 Zuschauer entlang der Nordschleife und auf den Tribünen der Grand-Prix-Strecke ein Genuss. Für die Fahrer auf der schwersten Rennstrecke der Welt eine zusätzliche Qual. Und diese Hitzeschlacht wäre Deutgen gleich zu Beginn des Rennens beinahe zum Verhängnis geworden. „Im Auto herrschte eine Affenhitze und dazu musste ich die Benzindämpfe des vorausfahrenden BMW einatmen. Mir wurde richtig flau“, gestand er kurz nach dem Rennen. Doch nach dem gelungenen Überholmanöver und einer kurzen Wasserdusche direkt in den Rennoverall beim Nachtanken, ging es dem Mann aus Duisburg besser. So richtig ins Schwitzen kam er dann nur noch mal auf den letzten drei Runden. „Da hatte ich nur noch Angst, dass irgendwas am Auto kaputt geht.“ Es ging nicht. Artur Deutgen fuhr mit letztlich elf Sekunden Vorsprung als Erster über die Ziellinie. Riesenjubel auch bei seinem Team, Dolate Motorsport aus Neuwied. Seit 1994 sind die Neuwieder in der Langstreckenmeisterschaft dabei, jetzt gab es den ersten Sieg in der Gesamtwertung. „Und der wird natürlich richtig groß gefeiert“, wie Teamchef Jürgen Dolate bekannte. Zumal man schon beim letzten Rennen beinahe die Porsche-Armada geschlagen hätte, wenn nicht kurz vor Schluss ein Plattfuss den sicher geglaubten Sieg gekostet hätte.

Bliebe noch ein Gastauftritt zu erwähnen. Opel-Sportchef Volker Strycek (Dehrn) hatte ein DTM-Astra-Coupé zu Testzwecken auf die Nordschleife gebracht. Die Rüsselsheimer wollen sich jetzt schon auf das 24-Stunden-Rennen im Jahr 2003 vorbereiten. Im Training düpierte er mit dem V8 die Konkurrenz ebenso wie im Rennen. Allerdings war der Einsatz von vorneherein nur auf vier Runden angelegt. Und danach war für den Boliden aus der DTM dann auch wieder Schluss. Beim nächsten Lauf zur BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring gibt es aber vielleicht ein Wiedersehen. Beim 6-Stunden-ADAC-Ruhr-Pokal-Rennen am 24. August will man die beim Grenzlandrennen gemachten Erfahrungen in der Praxis umsetzen.


Rennergebnis 25. RCM-DMV-Grenzlandrennen des Rheydter Club für Motorsport,
6. Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 2002 (Plätze 1 bis 10):

1. Artur Deutgen (Duisburg) BMW M3, 4:03:05.686 Stunden (= 26 Runden), 156.793 km/h; 2. Michael Bäder/Tobias Hagenmeyer (Ofterdingen/Schwieberdingen) BMW M3, 11.123 Sekunden Rückstand, 156.673 km/h; 3. Wolfgang Destrée/Dr. Edgar Althoff/Paul Hulverscheid (Zornheim/Viersen/Wipperfürth) Porsche 911 GT3, 2:03.913 Minuten Rückstand, 155.472 km/h; 4. Andreas Schall/Ralf Schall (Dornstadt) Mercedes-Benz 190E, 6:41.778 min, 152.589 km/h; 5. Kurt Thiim/Dennis Rostek (Luxemburg/Porta Westfalica) Mercedes 201-190E, 6:52.932 min, 152.476 km/h; 6. Edgar Dören/Karl Christian Lück/Ulrich Galladé (Wuppertal/Wiehl/Dortmund) Porsche 996 GT3, 7:52.977 min, 151.868 km/h; 7. Bernd Haid/Johannes Paczynski (Stockheim/Mönchengladbach) Porsche 993 GTR, 1 Runde zurück, 150.742 km/h; 8. Jochen Berger/Klaus Rader/Joachim Thyssen (Düren/Bayreuth/Bad Wörrishofen) Porsche 996 GT3 RS, 1 R., 150.702 km/h; 9. Peter Mamerow/Jürgen Kremerskothen (Waltrop/Düsseldorf) BMW M3 GTR, 1 R., 149.456 km/h; 10. Michael Schaal/Andreas Eberhardt (Stuttgart/Freudenstadt) Porsche 993 GT3, ! R., 148.814 km/h.