11.05.2002

Rennabbruch ganz im Sinne der Sicherheit - Unwetter stoppt vierten Lauf zur Langstreckenmeisterschaft

NÜRBURGRING. Wolkenbruchartige Regenfälle, zum Teil mit Hagel, führten zum Rennabbruch der 33. Adenauer ADAC-Rundstrecken-Trophy auf dem Nürburgring. Da aber 70 Prozent der Renndistanz zurückgelegt waren, als die Rote Flagge die Fahrer stoppte, gibt es für diesen vierten von insgesamt zehn Läufen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft die volle Punktzahl. Als Gesamtsieger des Rennens wurden Wolfgang Destrée/Dr. Edgar Althoff/Paul Hulverscheid (Zornheim/Viersen/Wipperfürth) auf Porsche 911 GT3 gewertet. Sie fuhren in 2:16:10.34 Stunden 14 Runden auf dem 24,433 Kilometer langen Kurs aus Nordschleife und Sprintstrecke des Nürburgring-Grand-Prix-Kurses. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 150,72 km/h. Der Duisburger Artur Deutgen wurde auf einem Dolate-BMWM3 Zweiter vor Wilhelm Kern/Georg Berlandy (Kleinaspach/Stromberg) auf Manthey-Porsche GT. Hinter den Vierten, Michael Bäder/Tobias Hagenmeyer (Ofterdingen/Schwieberdingen) auf BMW M3 taucht Doppelstarter Kern zusammen mit Martin Wurst (Oppenweiler) auf Porsche 996 GTR3 auch auf Rang fünf der Gesamtwertung auf. Dahinter Edgar Dören und Karl Christian Lück (Wuppertal/Wiehl) auf Porsche 996 R.

Fast schon verwundert schaute mancher Fahrer zum Himmel, als es vor dem Start zur Adenauer Rundstrecken-Trophy kräftig zu regnen begann und die Rennleitung das Rennen zum „wet race“ erklärte. Schließlich war das zuletzt – allen bösen Launen, die man dem Wetter in der Eifel nachsagt, zum Trotz – vor mehr als einem Jahr und 13 Rennen der Fall. Johannes Scheid (Kottenborn), Rekordmeister der seit 1977 von der Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring (VLN) organisierten Rennserie: „Wir hatten fast schon Angst, unsere Regenreifen würden an Altersschwäche eingehen.“

Nach der ersten Runde führte Destrée im Porsche. Aber auf Tuchfühlung zu ihm war Armin Hahne im Honda NSX von Altschach Motorsport (Österreich). Der Honda fiel später mit Problemen durch eine gebrochene Felge zurück. Von der dritten Runde an trocknete die Strecke ab. An den Boxen setzte Hochbetrieb ein. Alle Wagen wurden von Regen- auf Trockenreifen umgerüstet.

Destrée/Althoff/Hulverscheid hatten an der Spitze keinen ruhigen Nachmittag. Nach zwölf Runden führte Artur Deutgen. Nach dem 13. Umlauf, als Deutgen zum Tanken an die Box musste, war der Porsche wieder vorn. Dennoch dachte man bei Dolate Motorsport an den ersten Gesamtsieg des Duisburger „Einzelkämpfers“. Denn, so rechneten die Neuwieder, der führende Porsche müsste noch einmal tanken, Deutgen aber nicht. Doch was solche Überlegungen wert sind, zeigte sich in der 16. Runde: Das Regen-Hagel-Gemisch kam blitzartig und heftig.

In manchen Streckenabschnitten, vor allem im Bereich Flugplatz/Schwedenkreuz, ergossen sich wahre Bäche über die Strecke. Die Rennleitung entschied sich für einen Rennabbruch. Rennleiter Peter Bröcher (Olpe): „Wir haben aus Sicherheitsgründen die Rote Flagge gezeigt. Es wäre unverantwortlich gewesen, das Rennen weiterlaufen zu lassen. Wir verlangen von den Fahrern verantwortungsbewusstes Verhalten, da können wir sie als Veranstalter nicht in solche indiskutablen Verhältnisse schicken.“ Fahrersprecher Scheid zu dem Abbruch: „Das war gut so. Kompliment an die Rennleitung für ihre prompte Reaktion.“ Scheid wurde zusammen mit dem jungen Mayener Oliver Kainz auf BMW M3 GTRS Achter der Tages-Gesamtwertung.

Das Reglement besagt, dass bei einem Rennabbruch die Wertung unter Abzug der letzten voll gefahrenen Runde vor dem Abbruch erfolgt. Im aktuellen Fall wurde in Runde 16 abgebrochen, letzte davor voll gefahrenen Runde war die 15., die nicht gewertet wird, also zählt die Zieldurchfahrt nach der 14. Runde.

An der Tabellenspitze der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 2002 hält die Spannung an. Die führenden Teams schenken sich nichts, und sie wanken nicht: Die auf den Plätzen eins bis vier rangierenden Fahrer kamen bei der Adenauer Rundstrecken-Trophy samt und sonders zu weiteren Klassensiegen, so dass sie alle eine weiße Weste behalten. Der Höhenflug des Heeresflieger-Oberfeldwebels Mario Merten (Nürburg) hält an. Er konnte seinen Vorsprung leicht ausbauen. Er und sein Partner Michael Kok (Ascheberg) hatten in ihrer Klasse (VLN Serienwagen bis 1850 ccm) 15 Teams und Fahrzeuge gegen sich und ihren BMW 318iS, entsprechend hoch die Anzahl der Punkte. Mit nur einem Gegner weniger zu tun hatten es Rainer Brückner (Loffenau) und Peter Brings (Mülheim) auf Mercedes 190E, die damit als Tabellenzweite weiter dicht am allein führenden Merten bleiben. Vierter Klassensieg auch für Bäder/Hagenmeyer und ihren BMW M3, deren Klasse (Specials bis 4000 ccm Hubraum) dieses Mal mit elf Wagen ebenfalls gut besetzt war.

Die schon traditionell am stärksten besetzte Klasse der Specials bis 2000 ccm Hubraum – bei der Adenauer Rundstrecken-Trophy fuhren hier 20 Autos – wurde von Jürgen Hohenester/Jürgen Gerspacher (Gaimersheim/Froehnd) auf Audi TT RS gewonnen. Es war der zweite Erfolg der Bayern, weshalb sie in der Meisterschaft durchaus noch eine Rolle spielen können Vorausgesetzt, sie leisten sich in den noch ausstehenden sechs Rennen nicht die eine oder andere „Nullnummer“. Denn mehr als zwei Streichresultate sieht das VLN-Reglement nicht vor.

Die BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft bewies auch beim vierten Lauf dass sie die Top-Serie des Automobil-Breitensports in Deutschland ist. 177 Fahrzeuge starteten zum Rennen. Im Durchschnitt waren bei den bisherigen vier Läufen jeweils 167 Wagen am Start.

Die Serie macht jetzt eine längere Pause. Der fünfte Lauf, das 42. Reinoldus-Langstreckenrennen des Dortmunder Motorsportclubs, wird am Samstag, 29. Juni, gefahren.

Rennergebnis 33. Adenauer-ADAC-Rundstrecken-Trophy des MSC Adenau, 4. Lauf zur BFGoodrich - Langstreckenmeisterschaft 2002 (Plätze 1 bis 10):
1.Wolfgang Destrée/Dr. Edgar Althoff/Paul Hulverscheid (Zornheim/Viersen/Wipperfürth) Porsche 911 GT3, 2:16.10.338 Stunden (= 14 Runden), 150.719 km/h; 2. Artur Deutgen (Duisburg) BMW M3, 2:23.221 Minuten Rückstand, 148.122 km/h; 3. Wilhelm Kern/Georg Berlandy (Kleinaspach/Stromberg) Porsche GT, 2:47.430 min, 147.692 km/h; 4. Michael Bäder/Tobias Hagenmeyer (Ofterdingen/Schwieberdingen) BMW M3, 3:40.982 min, 146.750 km/h; 5. Wilhelm Kern/Martin Wurst (Kleinaspach/Oppenweiler) Porsche 996 GT3, 3:50.177 min, 146.589 km/h; 6. Edgar Dören/Karl Christian Lück (Wuppertal/Wiehl) Porsche 996 R, 3:51.346 min, 146.569 km/h; 7. Harald Weiland/Matthias Weiland (Frankfurt/Neu-Isenburg) Porsche 996 GT3 Cup, 6:38.666 min, 143.707 km/h; 8. Johannes Scheid/Oliver Kainz (Kottenheim/Mayen) BMW M3 E46 GTRS, 7:02.714 min, 143.305 km/h; 9. Jan Frank/Waldemar Hoffmann/Markus Hofbauer (Königsbach/Grafenau/Rechberghausen) Porsche 996 GT3 RS, 7:21.397 min, 142.994 km/h; 10. Michael Schaal (Stuttgart) Porsche 993 GT3, 7:27.575 min, 142.891 km/h