03.11.2001

Die Entscheidung ist ganz nah - 9. Lauf zur Langstreckenmeisterschaft: Thaler/Remmen auf Titelkurs

NÜRBURGRING. Europas bedeutendste Motorsport-Langstreckenserie geht am Samstag, 3. November, in ihre vorletzte Runde der Saison 2001. Der neunte Lauf zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, das DMV-250-Meilen-Rennen des Automobilclub Monheim kann, was den Kampf um den Meistertitel angeht, schon die Entscheidung bringen. Auch wenn Ex-Radweltmeister Klaus-Peter Thaler (Gevelsberg), zusammen mit seinem Partner Karl-Heinz Remmen (Finnentrop) hoher Favorit, noch vorsichtig ist. Schließlich waren Thaler/Remmen schon einmal, 1999, zwei Läufe vor Saisonende kurz vor dem Titelgewinn, doch dann schlug das Pech zu, und es reichte „nur“ zur Vizemeisterschaft.

Zwar sind vor den DMV-250-Meilen-Rennen Thaler/Remmen nicht an der Tabellenspitze. Aber das Reglement, das jedem Fahrer zwei Streichresultate zubilligt und die Höhe der Wertungspunkte von der Anzahl der Teilnehmer in der Klasse abhängig macht, macht sie zu Favoriten. Sieben Siege in der traditionell stark besetzten Klasse SP3 (Specials bis 2000 ccm) haben sie mit dem Opel Astra GSI von Kissling Motorsport eingefahren, einmal mussten sie eine Nullrunde verbuchen. Ein weiterer Klassensieg wäre für Thaler/Remmen der sichere Titelgewinn. Ist die Klasse so stark besetzt wie gewohnt, muss es nicht einmal unbedingt ein Sieg sein. Neun Punkte würden reichen, und die sind auch mit einem zweiten Platz zu schaffen. Selbst ein dritter Rang wäre genug, allerdings vorausgesetzt, dass die Konkurrenz nicht zu optimaler Punktausbeute kommt.

Während Thaler/Remmen bereits Mühe haben, voreilige Gratulanten abzuwehren, hat der derzeitige Tabellenführer und Vizemeister des Jahres 2001, Harald Thönnes (Mülheim-Kärlich) Probleme ganz anderer Art. Nach dem achten Klassensieg wurde gegen seinen VW Polo ein Protest wegen Verstoßes gegen das technische Reglement eingelegt. Die Untersuchungen der Technischen Kommissare sind noch nicht abgeschlossen. Für Thönnes, der beteuert, ein „absolut reines Gewissen“ zu haben, heißt das zunächst einmal auf das Urteil warten. Den Titel kann er ohnehin nur gewinnen, wenn Thaler/Remmen, aktuell auf Platz sechs geführt, gleich zweimal weitgehend leer ausgehen sollten.

Gut im Rennen liegen auch die Zwillingsbrüder Jürgen und Heinz-Otto Fritzsche aus Hückeswagen. Acht Klassensiege schafften sie mit ihrem Opel Astra OPC. Sie nehmen den zweiten Platz in der Tabelle ein, könnten aber Thönnes noch überholen, wenn ihre Klasse in den noch ausstehenden beiden Läufen – das letzte Rennen der Serie, der DMV-Münsterlandpokal, wird am 17. November gefahren – stark besetzt ist und sie die Konkurrenz erneut hinter sich halten können. Ganz vorne in der Schlusswertung werden auch Rainer Brückner (Gernsbach) und Klaus Götzmann (Gaggenau) zu finden sein. Mit konstant guten Leistungen haben sie sich mit ihrem Mercedes 190 E auf den vierten Tabellenplatz gefahren.

Für Spannungsmomente beim DMV-250-Meilen-Rennen, das nicht mehr über diese Streckendistanz, sondern über 3½ Stunden geht und auf der 23,8 Kilometer langen Kombination aus Nürburgring-Nordschleife und verkürztem Grand-Prix-Kurs gefahren wird, ist also reichlich gesorgt. Auch wenn die Fans, im Durchschnitt sind es bei den Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft 18.000, auf den einen oder anderen Publikumsliebling verzichten müssen. Johannes Scheid zum Beispiel, fünfmaliger VLN-Meister, wird nicht am Start sein. Beim achten Lauf hatte er aufgrund eines Schadens an der Vorderradaufhängung seines BMW M3 GTRS einen Unfall mit totalem Überschlag. Scheid kuriert zur Zeit zu Hause in Kottenborn, bestens betreut von Frau Heidi, mehrere Rippenbrüche aus. Der M3 wird 2002 einen neuen Nachfolger haben, denn die demolierte Karosse ist nur noch schrottreif.

Ein anderes VLN-„Urgestein“ wird aber am 3. November starten und seinen Fans zuwinken: Edgar Dören. Der Wuppertaler fährt zusammen mit Karl-Christian Lück (Wiehl) den Porsche 911 RSR, mit dem sie in dieser Saison bereits zwei Gesamtsiege schafften. Auch Olaf Manthey (Meuspath) und Wilhelm Kern (Kleinaspach), Gesamtsieger des achten Laufs, sind mit dem Manthey-Porsche 996 GT3 bei den DMV-250-Meilen am Start, ebenfalls Jürgen Alzen/Arno Klasen (Kausen/Karlshausen), die auf Porsche GT3 R in dieser Saison schon drei Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft als Gesamtsieger beendeten.

Die von der Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring (VLN) organisierte Langstrecken-Rennserie erlebt in ihrer 25. Jubiläumssaison einen Höhenflug: Zu den ersten acht Rennen starteten im Durchschnitt jeweils 169 Fahrzeuge bei durchschnittlich 178 abgegebenen Nennungen. Insgesamt waren 879 Fahrer am Start. Ein klarer Beweis dafür, dass die BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft einer der wichtigsten Träger des Automobil-Breitensports in Deutschland ist.

Zeitplan, DMV-250-Meilen-Rennen: Samstag, 3. November, 8.30 Uhr bis 10 Uhr Zeittraining; 12 Uhr Start zum Rennen über 3 1/2 Stunden.